Hinfluch

Eigentlich verlief der Start sehr gut. Perfekt geschlafen – vermutlich weil ich am Vorabend mich intensiv um die offene Weinflasche gekümmert hatte.
Dann am späten Vormittag zu Günther, gemeinsam zu Mittag gegessen und gedöst, bis endlich die Bahn uns Richtung Flughafen bringen würde. Da denkt man sich bei Hinfluch doch gleich: mit der Bahn hätten wir schon einen Tatverdächtigen. Aber weit gefehlt. Auch wenn nicht alles hundertprozentig war, die beiden Umstiege verliefen reibungslos, wir hatten bequeme Plätze und wurden dann sogar noch in Mannheim besucht – von der weltbesten Schwägerin!
Bis zum Flughafen – oder soll ich sagen Fluchhafen? – also alles gut und entspannt. Dann aber wurden wir daran erinnert, dass ja schon der Online CheckIn nicht funktionierte. Das komplifizierte CheckIn-Terminal ganz im letzten Winkel des Gebäudes spuckte irgendwann unsere Tickets aus. Mit etwas technischem Geschick schafft man das. Allerdings nur der Weiterflug von Sao Paulo nach Asuncion. Wie dahin kommen?

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Egal, gibt es wohl später. Also Koffer abliefern. Keine Warteschlange – yay, wir waren eben früh dran. Hier ging es ratzfatz zum Scannen von Handgepäck und meines Mageninhalts. Hinter dem Personenscan dann wieder dieses Dejavu – warten. Auf dem Band kommen keine Kästen mit Jacken, Tablets, Rucksäcke mehr an. Mir schwant was, schaue vor zum Scanner und da – mein Rucksack. Wird nochmal gescannt, dann nochmal. Ok, der ist schön, aber so arg? Oder hat man es auf mein Hanuta abgesehen?
Endlich kommt einer mit dem Rucksack, aber er läuft an einen anderen Tisch. Dann schaut er fragend in die Runde… wer zuckt zusammen? Ich natürlich. Er zitiert mich zu sich. „Wir müssen uns gemeinsam den Inhalt anschauen!“ – „Warum?“ – „Wir können den nicht scannen, zu viele schwarze Flecken“ Seufz. Also zieht er sich die blauen Gummihandschuhe an und los geht’s: Stativ, Tasche mit Kleinteilen, Kamera . . . wühl wühl. „Wir haben beim Scan 2 Schlösser gesehen. Kann da sein?“ „Ah, da sind die. Die habe ich vorhin beim Aufgeben des Koffers schon gesucht.“ Schlösser raus, weiter. „Was ist das?“ – „Ein Solarpanel“ – „Und das?“ „Tasche mit Akkus und Kabel“. Irgendwann war er zufrieden und meine tolle Sortierung – Mandarinen und Hanuta ganz oben – im Eimer. Thank you, Officer!
Aber da wir wie erwähnt früh dran waren, gingen wir also entspannt zum Gate. B48. Öhm, früh dran? Alle waren schon da – wir waren quasi die letzten. Hiiiilfeeee. Ok, cool bleiben. Da ist ein Schalter, an dem kaum jemand steht. Hin zu dem Mann. „Wir würden gerne nebeneinander sitzen“ – „Bitte warten Sie bis 19:00 Uhr. Sie werden aufgerufen“ – „Und bekommen dann Plätze nebeneinander?“ – „Das ist sehr kompliziert. Wenden sie sich bitte an meinen Kollegen am Schalter da drüben“. Gut, da stehen nur 3 Leute davor – wir stellen uns dazu. Warten, warten. Warten! Dann endlich . . . Was? „Die Plätze kann ich nicht zuweisen. Das macht mein Kollege da drüben“ Wir folgen der Richtung des Fingers. . . „Der da ganz am Ende?“ „Ja, dort bekommen sie ihre Plätze“ – „Aber er schickt uns doch gerade zu ihnen“ – „Ich kann ihnen leider nicht helfen. Es tut mir leid.“ . . . Ja, uns auch. @#***

Wieder zurück. Anstehen. Einer kommt und platziert die Schlange im flachen Winkel. Warten. Warten. Gähn. Die Füße schmerzen. Warten. Endlich . . . eine bebrillte offensichtlich brasilianische Dame bedient uns. „Alle Plätze am Gang sind belegt“. Dann starrt sie in den Bildschirm, tippt, starrt, tippt, starrt. Sind wir noch da? Durchsichtig? Sie starrt weiter. Und tippt natürlich. Druckt Bordkarten aus und tippt weiter, und starrt natürlich. Klar! Endlich sagt sie, während sie starrt: „Keine Sorge, ihre Plätze habe ich. Habe nur ein Problem mit dem System.“ Ja, das ist uns ja bekannt. Wir lächeln weiter, evtl klappt’s so ja. Nach einer gefühlten Ewigkeit – die Füße existieren für meinen Kopf nicht mehr, er hat die Nerven dort unten einfach deaktiviert – bekommen wir schliesslich die Bordkarten, die alten werden konfisziert. Und hey, Plätze nebeneinander, Plätze außen. Was will man mehr!

Nun hat das ganze so lange gedauert, wir marschieren fast direkt ins Flugzeug. Wobei wir erst noch 15 min in einer Schlange stehen. Dann fast schlagartig saugt uns der Flieger ein und wir landen in einem gemütlichen Bereich. Menschen lümmeln sich in den Sitzen, widmen sich Zeitung, Notebook, Tablet oder sich selbst. Geräumig hier – erste Klasse hier! Wir werden dahinter buxiert. Plätze in einer Sardinendose. Uff, so eng saß ich in noch keinem Flieger. Wenn ich aber die Arme ganz an den Körper drücke, gelingt es mir, ein bisschen zu tippen. Die Finger werden langsam gefühllos, taub. Ew riwd remmi schrewre dua Tstn ztrffon… Päusle!

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