Asuncion: dia dos

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El baño:

Ach war das schön – laaaange geschlafen in dem viel zu schmalen Bett. Aufgewacht nach deutscher Zeit! Kerzengerade im Bett, Handkante an die Schläfe! Blick zur Uhr – 4:00? Au weia, das ist definitiv zu früh. Nochmal umdrehen . . .
Zur „vernünftigen“ Zeit zweiter Versuch. Passt! Da das Hotel großzügig auf Handtücher verzichtet hat, muss mein Notfall-Handtuch mit. Runter unter die Dusche. Selbige ist so konstruiert, dass es eigentlich gleichgültig ist, wo im Bad man steht. Man wird überall gleich nass. Das Bad steht unter Wasser. Ein kleines Rinnsal verabschiedet sich Richtung Hotelzimmer. Soll ich Günther warnen?
Jetzt, wo ich nicht mehr so klebrig bin, regt sich der Magen. Was wird es wohl zum Frühstück geben? Paraguay ist kein Frühstücksland und so dürfen wir gespannt sein.
Wir dürfen auf die Terrasse. Drei große Kannen stehen bereit: Kaffee, Milch und Saft (Jugo). Daneben eine Tüte mit Toastbrotscheiben ohne Toaster. Ein paar Kekse, Butter, Marmelade unbekannter Herkunft und Obst – Apfel, Banane, Honigmelone und Orangen. Die Orangen haben es mir angetan. Sehen aus, als könnte man die nicht essen, grüngelbkränklich. Nach dem notwendigen Kaffeeschub schäle ich mir eine. Geht sehr schwer ab die Schale. Aber mmmhmmm, schmeckt sehr lecker.

Mercado gigantico:

Nach dem wir so gestärkt sind, marschieren wir los auf der Suche nach dem nächsten Bus. Haltestelle? Welche Linie wo hin? Keine Ahnung, da muss man sich durchfragen. Je mehr Leute man fragt, desto größer die Verwirrung. Letztendlich entscheiden wir nach Mehrheit und stellen uns an die Straße – dahin, wo schon ein paar stehen. Da kommt schon unsere Linea 27. Finger rausstrecken, Bus hält, einsteigen, 2000 Guaraní an den Fahrer – der schon wieder fährt, uns mit aller Wucht in den Rückraum buxieren will – und dann einen Sitzplatz suchen. Ratternd und knatternd werden wir durchgeschüttelt, bis es nur noch hupend im Schritttempo weitergeht. Draußen nehmen die Menschenmassen massiv zu und die Straße wird gesäumt von kleinen Hütten, Gestellen, Blechverschlägen. Das heißt, wir sind am Ziel. Willkommen auf dem Mercado 4! Wir steigen aus und flüchten von der Straße. Autos drängen sehr nahe ran an die kleinen Stände. Gehweg gibt es hier und da ein Stück. Geh mal nicht davon aus, dass dich einer davon retten wird.
Wir biegen in eine enge Gasse ein. Stände über Stände. Verkäufer(innen) sitzen Terere trinkend vor der Ware, meist ins Handy vertieft. Hier geht man freundlich miteinander um, wird aber nicht genervt. Freundlich darf man auch nach anderen Dingen fragen – wo es zB dies oder das gibt – und bekommt Auskunft. So irren wir durch dieses scheinbar endlose Labyrinth aus kleinen engen Gässchen. Zwischen endlos Schmuck, Waschmittel, Brillen, Elektroteilen, Handyhüllen, T-Shirts usw. Bis wir in eine größere Halle in diesem Meer von Ständen kommen. Hier ändert sich das Angebot, der Geruch, die Menschen, alles. Fleisch, Gemüse, Obst türmen sich neben Nudeln, Maismehl und Queso da Paraguay. Kistenweise kommt neue Ware an und wird aus der Folie geschält. Eine Frau schrubbt Maiskörner vom Kolben, ein Mann tritt an mich heran mit toten Hühner in einer Plastiktüte. Die gelben Beine recken sich leblos gen Himmel, der durch das dunkle Blechdach der Halle markiert wird.
Nach der Halle gelangen wir in eine edlere Zone mit Schaufenstern. Und Wachpersonal. Bis wir in ein regelrechtes Kaufhaus gelangen. Dort bietet mir ein Herr mit einem Stapel blauer Jeanstaschen vor sich eine dieser Tasche an. Ich lehne dankend ab, und verweise auf meine eigene. Er zeigt mir immer wieder, wie toll man meine in seine legen könnte. Wozu soll das gut sein? Ich geb das Gestikulieren auf und wir trotten davon. Da läuft er uns hinterher . . . es stellt sich heraus, dass wir in das Kaufhaus nicht mit unseren Taschen dürfen. Wir müssen sie in diese Tasche stecken oder gehen. Und freundlich bestimmt zeigt er uns den Ausgang – Salida.

Casa, Plaza, Museo

Irgendwann haben wir genug von der ewigen Dunkelheit und verlassen den Markt in Richtung Straße. Nach einigen Orientierungsproblemen verschärfen wir unsere Suche nach Handtücher (zu teuer), Hüte (zu eitel) und Sehenswürdigkeiten (Volltreffer). Wir besichtigen das Casa de la Independencia, in dem Paraguay als erstes Land Südamerikas seine Unabhängigkeit erklärte. Den Plaza Uruguaya – einen geräumigen quadratischen Park voller hoher Palmen und Menschen, die natürlich Terere geniessen. Ein Junge bekommt einen frisch angesetzten in die Hand gedrückt und läuft damit zu einem Herrn auf der Parkbank und reicht es ihm. Dann versucht er dessen Schuhe zu putzen. Der Mann lehnt dankend ab, lacht. Zieht an dem Pfeifchen. Wir laufen weiter, beobachten die Menschen und die hohen Palmen. Auf denen wachsen jeweils auch andere Pflanzen – Orchideen zum Beispiel. Beeindruckend!
Direkt im Anschluss an den Park finden wir das Museo Histórico Ferroviario – das historische Eisenbahnmuseum. Günther erklärt mir, dass Paraguay einmal eine Eisenbahn hatte. Diese wurde aber verkauft. Geblieben ist das Museum, gekommen sind Heerscharen von stinkenden Bussen.
Beinahe vergessen hätte ich das deutsche Restaurant – Munich. Sprich: Munitsch. Ein schöner Innenhof, eine Oase der Ruhe im hektischen Getriebe der Stadt. Und ich trinke ein Weizen, esse einen Salat, wir wollen ja heute Abend ins Restaurant Westfalia – hm, auch das klingt deutsch. Mit dem Besitzer aus Göppingen quatschen wir ne Weile nett.

Tormenta

Die Hitze wird schwül, drückend und brennt auf der Haut. Wir laufen zurück zum Hotel, ruhen uns aus. Später wollen wir nochmal los, wenn sich die Sonne wieder eingekriegt hat. Gegen 16:30 sind wir wieder am Start, da macht uns ein vertrautes Geräusch stutzig. Regen? Viel Regen!
Wir gehen auf die Terrasse, wo wir hautnah beobachten, wie es gerade irrsinnig schüttet. Ruckzuck verwandelt sich die Straße in einen Fluß, das Wasser strömt an der Wand runter auf die Terrasse. Während ich hier schreibe, bringe ich meine Füße in Sicherheit auf den Tischbeinen. Ein Angestellter vom Hotel schiebt das Wasser in den neu entstandenen Fluss, das inzwischen auch vom Treppenhaus nachläuft. jetzt aber wird es fast still . . . Der Regen ist vorüber. Plitsch platsch fällt hier und da ein Tropfen in den See unter meinen Füßen. Autos bahnen sich rauschend den Weg durch die Straße, die inzwischen nur noch sehr nass ist. Die Lichter gehen an. Ich starre raus auf das abfließende Wasser, beobachte das Spiel der Tropfen in den Pfützen, die lustigen Wellen der Rinnsale. Lächelnd.

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Asuncion: dia uno

Der Flug durch die Nacht verlief reibungslos, unspektakulär. Über Asuncion schliesslich brach die Wolkendecke auf. Das kündigt mehr als nur einen neuen Tag an. Tatsächlich waren auch die Koffer von Frankfurt hier angekommen und so kamen wir zügig zur Passkontrolle. Der freundliche Beamte rammte seinen Stempel gekonnt auf den Personalausweis und raus waren wir.
Draußen war es sehr warm und feucht; es wehte angenehm ein leichtes Lüftchen.
Wir liefen zur nächsten Busstation außerhalb des Geländes und fuhren mit Linie 30 (Linia 30) bis zur c/Oliva, die Straße, in der unser Hotel liegt. War die Fahrt schon abenteuerlich – für 2000 Guaraní (ca 40ct) dennoch mehr eine günstige Achterbahnfahrt – war der Fußweg zum Hotel ein Erlebnis. Aber der Reihe nach:
Der bunt bemalte Bus kam über einen riesigen Kreisel auf uns zu. Der Busfahrer stämmig, freundlich, die Passagiere neugierig und hilfsbereit. Einer wollte sogar für Günther aufstehen. Gut, hätte ich auch gemacht…

Aber wir blieben tapfer stehen, was den Fahrspaß deutlich erhöht und eigentlich auch den Preis nach oben treiben sollte. Er raste grundsätzlich mit Hochgeschwindigkeit auf die nächste rote Ampel und zum nächsten Stau. Bei Schlaglöcher konnte er gar nicht widerstehen . . . Nochmal Gas geben und dann ins Loch reinbremsen. Wir taumelten und rammten mit Koffer und Rucksack die geduldigen Gäste. Einer von denen hatte übrigens ein bauchiges Gefäß mit einem Metallröhrchen in der Hand. Da sog er gelegentlich unbeeindruckt dran. Neben sich ein Wasserbehälter, gut 1 Liter. Das machte mich neugierig und ich schaute mich um. Der Busfahrer hatte auch so ein Ding, allerdings an der Fahrertür befestigt, aus Horn und sein Kanister war viel größer. Später in der Stadt, begegneten uns viele Leute, die diese Kombination spazieren trugen wie die Pariser ihr Baguette. Mehr und mehr fielen mir Shops auf, die zig von diesen Kanistern feilboten in allen möglichen Aisführungen.
Wir waren aber noch mit der Fahrt zum Hotel beschäftigt. Langsam schmerzten mir die Arme vom festkrallen an der Haltestange und abfangen an den Sitzen. Endlich – ENDLICH – wurden Sitzplätze frei. Es wurde doch deutlich angenehmer. Mehr und mehr Gäste stiegen aus und es wurde geräumig.
Ach übrigens Ausstieg – das läuft so: man schlappt vor zum Busfahrer und äußert – so meine Vermutung – seinen Ausstiegswunsch. Der öffnet daraufhin schon mal vorsorglich die Türe. Der Ausstiegswillige unterstreicht seinen Wunsch, indem er sich schon mal auf die unterste Stufe an der Türe stellt. So muss der Bus quasi fast nicht stehenbleiben und hat den Gast doch los. Clever!
Der Busfahrer nahm auf uns „Gringos“ Rücksicht. Wir wurden von ihm erinnert, wenn die c/Oliva erreicht war und liess uns dann raus. Entschlossen wuchteten wir die Koffer – Trollis mit niedlichen Rädchen – auf die . . . hm, nennen wir es mal großzügig Straße. Die halbgeöffneten Fenster des Busses täuschten darüber hinweg, dass es im Laufe des Vormittag deutlich wärmer geworden war. Teilweise richtig dämpfig bei 30 Grad. Und dann die Gehwege: allesamt mehr oder wenig in Bearbeitung oder schlicht bei der Fertigstellung vergessen. Die Straße zieht sich noch 3 Blöcke weiter und ist mit Fallen gespickt. Schwer, sich hier die Ruinen rechts und links anzuschauen. Oder gar auf die wenigen intakten Häuschen zu konzentrieren.
Das eine oder andere zog aber doch meine Aufmerksamkeit auf sich. Zuletzt ein Hof wie ein Motel aus amerikanischen Filmen. Im Zentrum dann eine Art Bistro mit Getränken und Essbarem. Schön in rot-weiß frisch bemalt. Kurz danach dann unser Hotel – auffällig und von einigen Metern schon klar erkennbar. Gut gepflegt, frisch gewischter Boden, Terasse mit Stühlen und Tischen. Der Innenraum angenehm – ist wahrscheinlich die Lobby. Es ist ein sehr kleines Hotel. An der Rezeption ein Junge von vielleicht 17, der alles freundlich abwickelte. Aber uns das Zimmer noch nicht gab – wir waren wesentlich zu früh dran. Verständlich – und so liessen wir das Gepäck zurück und zogen wie gierige Raubtiere auf Futtersuche los. Zogen durch die lärmenden Straßen, sprangen zwischen klar auf ihr Ziel fixierten Fahrern in ihren metallenen Gefährten hindurch. Immer wieder mal blieb ich stehen und musste einfach fotografieren: das unfassbare Kabelgewirr, bei dem Kabel auch kreuz und quer über Kreuzungen gespannt oder auf ein vorhandenes draufgelegt werden. Gigantische Hochhäuser im deutlichen Verfall begriffen, kleine Shops, die nicht mehr sind, Straßenhändler, die RayBan-Brillen anpreisen – in einer unfassbaren Anzahl. Und die vielen indianischen Frauen, auf dem Boden kauernd, die Schmuck anpreisen, während sie schon am nächsten Kettchen arbeiten. Die Menschen sowieso ein spannendes Gemisch: eben die genannten Händler, vor den Läden sitzende Ladenbesitzer, kaum Touristen und viele, die offensichtlich hier in Büros und Banken arbeiten und auf dem Weg in ein Restaurant sind.

Das sind wir auch. Und verschwinden schliesslich total ausgehungert in ein Restaurant, dass sich später auch mit eben diesen Angestellten füllt. Aber egal, wir haben unser Schnitzel und Kartoffelbrei. Und Bier – viel Bier, einheimisches Bier. Serviert in einem Blecheimer voll Eis. Genussvoll lass ich es in das Glas fliessen, spüre das kalte Glas an den Lippen und mit einem seufzen und geschlossenen Augen ergießt sich das wohlige Kühl in meinen Rachen. Augenblicklich weiß ich, wir sind angekommen.