Asuncion: dia dos

IMG_0569.jpg

El baño:

Ach war das schön – laaaange geschlafen in dem viel zu schmalen Bett. Aufgewacht nach deutscher Zeit! Kerzengerade im Bett, Handkante an die Schläfe! Blick zur Uhr – 4:00? Au weia, das ist definitiv zu früh. Nochmal umdrehen . . .
Zur „vernünftigen“ Zeit zweiter Versuch. Passt! Da das Hotel großzügig auf Handtücher verzichtet hat, muss mein Notfall-Handtuch mit. Runter unter die Dusche. Selbige ist so konstruiert, dass es eigentlich gleichgültig ist, wo im Bad man steht. Man wird überall gleich nass. Das Bad steht unter Wasser. Ein kleines Rinnsal verabschiedet sich Richtung Hotelzimmer. Soll ich Günther warnen?
Jetzt, wo ich nicht mehr so klebrig bin, regt sich der Magen. Was wird es wohl zum Frühstück geben? Paraguay ist kein Frühstücksland und so dürfen wir gespannt sein.
Wir dürfen auf die Terrasse. Drei große Kannen stehen bereit: Kaffee, Milch und Saft (Jugo). Daneben eine Tüte mit Toastbrotscheiben ohne Toaster. Ein paar Kekse, Butter, Marmelade unbekannter Herkunft und Obst – Apfel, Banane, Honigmelone und Orangen. Die Orangen haben es mir angetan. Sehen aus, als könnte man die nicht essen, grüngelbkränklich. Nach dem notwendigen Kaffeeschub schäle ich mir eine. Geht sehr schwer ab die Schale. Aber mmmhmmm, schmeckt sehr lecker.

Mercado gigantico:

Nach dem wir so gestärkt sind, marschieren wir los auf der Suche nach dem nächsten Bus. Haltestelle? Welche Linie wo hin? Keine Ahnung, da muss man sich durchfragen. Je mehr Leute man fragt, desto größer die Verwirrung. Letztendlich entscheiden wir nach Mehrheit und stellen uns an die Straße – dahin, wo schon ein paar stehen. Da kommt schon unsere Linea 27. Finger rausstrecken, Bus hält, einsteigen, 2000 Guaraní an den Fahrer – der schon wieder fährt, uns mit aller Wucht in den Rückraum buxieren will – und dann einen Sitzplatz suchen. Ratternd und knatternd werden wir durchgeschüttelt, bis es nur noch hupend im Schritttempo weitergeht. Draußen nehmen die Menschenmassen massiv zu und die Straße wird gesäumt von kleinen Hütten, Gestellen, Blechverschlägen. Das heißt, wir sind am Ziel. Willkommen auf dem Mercado 4! Wir steigen aus und flüchten von der Straße. Autos drängen sehr nahe ran an die kleinen Stände. Gehweg gibt es hier und da ein Stück. Geh mal nicht davon aus, dass dich einer davon retten wird.
Wir biegen in eine enge Gasse ein. Stände über Stände. Verkäufer(innen) sitzen Terere trinkend vor der Ware, meist ins Handy vertieft. Hier geht man freundlich miteinander um, wird aber nicht genervt. Freundlich darf man auch nach anderen Dingen fragen – wo es zB dies oder das gibt – und bekommt Auskunft. So irren wir durch dieses scheinbar endlose Labyrinth aus kleinen engen Gässchen. Zwischen endlos Schmuck, Waschmittel, Brillen, Elektroteilen, Handyhüllen, T-Shirts usw. Bis wir in eine größere Halle in diesem Meer von Ständen kommen. Hier ändert sich das Angebot, der Geruch, die Menschen, alles. Fleisch, Gemüse, Obst türmen sich neben Nudeln, Maismehl und Queso da Paraguay. Kistenweise kommt neue Ware an und wird aus der Folie geschält. Eine Frau schrubbt Maiskörner vom Kolben, ein Mann tritt an mich heran mit toten Hühner in einer Plastiktüte. Die gelben Beine recken sich leblos gen Himmel, der durch das dunkle Blechdach der Halle markiert wird.
Nach der Halle gelangen wir in eine edlere Zone mit Schaufenstern. Und Wachpersonal. Bis wir in ein regelrechtes Kaufhaus gelangen. Dort bietet mir ein Herr mit einem Stapel blauer Jeanstaschen vor sich eine dieser Tasche an. Ich lehne dankend ab, und verweise auf meine eigene. Er zeigt mir immer wieder, wie toll man meine in seine legen könnte. Wozu soll das gut sein? Ich geb das Gestikulieren auf und wir trotten davon. Da läuft er uns hinterher . . . es stellt sich heraus, dass wir in das Kaufhaus nicht mit unseren Taschen dürfen. Wir müssen sie in diese Tasche stecken oder gehen. Und freundlich bestimmt zeigt er uns den Ausgang – Salida.

Casa, Plaza, Museo

Irgendwann haben wir genug von der ewigen Dunkelheit und verlassen den Markt in Richtung Straße. Nach einigen Orientierungsproblemen verschärfen wir unsere Suche nach Handtücher (zu teuer), Hüte (zu eitel) und Sehenswürdigkeiten (Volltreffer). Wir besichtigen das Casa de la Independencia, in dem Paraguay als erstes Land Südamerikas seine Unabhängigkeit erklärte. Den Plaza Uruguaya – einen geräumigen quadratischen Park voller hoher Palmen und Menschen, die natürlich Terere geniessen. Ein Junge bekommt einen frisch angesetzten in die Hand gedrückt und läuft damit zu einem Herrn auf der Parkbank und reicht es ihm. Dann versucht er dessen Schuhe zu putzen. Der Mann lehnt dankend ab, lacht. Zieht an dem Pfeifchen. Wir laufen weiter, beobachten die Menschen und die hohen Palmen. Auf denen wachsen jeweils auch andere Pflanzen – Orchideen zum Beispiel. Beeindruckend!
Direkt im Anschluss an den Park finden wir das Museo Histórico Ferroviario – das historische Eisenbahnmuseum. Günther erklärt mir, dass Paraguay einmal eine Eisenbahn hatte. Diese wurde aber verkauft. Geblieben ist das Museum, gekommen sind Heerscharen von stinkenden Bussen.
Beinahe vergessen hätte ich das deutsche Restaurant – Munich. Sprich: Munitsch. Ein schöner Innenhof, eine Oase der Ruhe im hektischen Getriebe der Stadt. Und ich trinke ein Weizen, esse einen Salat, wir wollen ja heute Abend ins Restaurant Westfalia – hm, auch das klingt deutsch. Mit dem Besitzer aus Göppingen quatschen wir ne Weile nett.

Tormenta

Die Hitze wird schwül, drückend und brennt auf der Haut. Wir laufen zurück zum Hotel, ruhen uns aus. Später wollen wir nochmal los, wenn sich die Sonne wieder eingekriegt hat. Gegen 16:30 sind wir wieder am Start, da macht uns ein vertrautes Geräusch stutzig. Regen? Viel Regen!
Wir gehen auf die Terrasse, wo wir hautnah beobachten, wie es gerade irrsinnig schüttet. Ruckzuck verwandelt sich die Straße in einen Fluß, das Wasser strömt an der Wand runter auf die Terrasse. Während ich hier schreibe, bringe ich meine Füße in Sicherheit auf den Tischbeinen. Ein Angestellter vom Hotel schiebt das Wasser in den neu entstandenen Fluss, das inzwischen auch vom Treppenhaus nachläuft. jetzt aber wird es fast still . . . Der Regen ist vorüber. Plitsch platsch fällt hier und da ein Tropfen in den See unter meinen Füßen. Autos bahnen sich rauschend den Weg durch die Straße, die inzwischen nur noch sehr nass ist. Die Lichter gehen an. Ich starre raus auf das abfließende Wasser, beobachte das Spiel der Tropfen in den Pfützen, die lustigen Wellen der Rinnsale. Lächelnd.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s