Asuncion: dia uno

Der Flug durch die Nacht verlief reibungslos, unspektakulär. Über Asuncion schliesslich brach die Wolkendecke auf. Das kündigt mehr als nur einen neuen Tag an. Tatsächlich waren auch die Koffer von Frankfurt hier angekommen und so kamen wir zügig zur Passkontrolle. Der freundliche Beamte rammte seinen Stempel gekonnt auf den Personalausweis und raus waren wir.
Draußen war es sehr warm und feucht; es wehte angenehm ein leichtes Lüftchen.
Wir liefen zur nächsten Busstation außerhalb des Geländes und fuhren mit Linie 30 (Linia 30) bis zur c/Oliva, die Straße, in der unser Hotel liegt. War die Fahrt schon abenteuerlich – für 2000 Guaraní (ca 40ct) dennoch mehr eine günstige Achterbahnfahrt – war der Fußweg zum Hotel ein Erlebnis. Aber der Reihe nach:
Der bunt bemalte Bus kam über einen riesigen Kreisel auf uns zu. Der Busfahrer stämmig, freundlich, die Passagiere neugierig und hilfsbereit. Einer wollte sogar für Günther aufstehen. Gut, hätte ich auch gemacht…

Aber wir blieben tapfer stehen, was den Fahrspaß deutlich erhöht und eigentlich auch den Preis nach oben treiben sollte. Er raste grundsätzlich mit Hochgeschwindigkeit auf die nächste rote Ampel und zum nächsten Stau. Bei Schlaglöcher konnte er gar nicht widerstehen . . . Nochmal Gas geben und dann ins Loch reinbremsen. Wir taumelten und rammten mit Koffer und Rucksack die geduldigen Gäste. Einer von denen hatte übrigens ein bauchiges Gefäß mit einem Metallröhrchen in der Hand. Da sog er gelegentlich unbeeindruckt dran. Neben sich ein Wasserbehälter, gut 1 Liter. Das machte mich neugierig und ich schaute mich um. Der Busfahrer hatte auch so ein Ding, allerdings an der Fahrertür befestigt, aus Horn und sein Kanister war viel größer. Später in der Stadt, begegneten uns viele Leute, die diese Kombination spazieren trugen wie die Pariser ihr Baguette. Mehr und mehr fielen mir Shops auf, die zig von diesen Kanistern feilboten in allen möglichen Aisführungen.
Wir waren aber noch mit der Fahrt zum Hotel beschäftigt. Langsam schmerzten mir die Arme vom festkrallen an der Haltestange und abfangen an den Sitzen. Endlich – ENDLICH – wurden Sitzplätze frei. Es wurde doch deutlich angenehmer. Mehr und mehr Gäste stiegen aus und es wurde geräumig.
Ach übrigens Ausstieg – das läuft so: man schlappt vor zum Busfahrer und äußert – so meine Vermutung – seinen Ausstiegswunsch. Der öffnet daraufhin schon mal vorsorglich die Türe. Der Ausstiegswillige unterstreicht seinen Wunsch, indem er sich schon mal auf die unterste Stufe an der Türe stellt. So muss der Bus quasi fast nicht stehenbleiben und hat den Gast doch los. Clever!
Der Busfahrer nahm auf uns „Gringos“ Rücksicht. Wir wurden von ihm erinnert, wenn die c/Oliva erreicht war und liess uns dann raus. Entschlossen wuchteten wir die Koffer – Trollis mit niedlichen Rädchen – auf die . . . hm, nennen wir es mal großzügig Straße. Die halbgeöffneten Fenster des Busses täuschten darüber hinweg, dass es im Laufe des Vormittag deutlich wärmer geworden war. Teilweise richtig dämpfig bei 30 Grad. Und dann die Gehwege: allesamt mehr oder wenig in Bearbeitung oder schlicht bei der Fertigstellung vergessen. Die Straße zieht sich noch 3 Blöcke weiter und ist mit Fallen gespickt. Schwer, sich hier die Ruinen rechts und links anzuschauen. Oder gar auf die wenigen intakten Häuschen zu konzentrieren.
Das eine oder andere zog aber doch meine Aufmerksamkeit auf sich. Zuletzt ein Hof wie ein Motel aus amerikanischen Filmen. Im Zentrum dann eine Art Bistro mit Getränken und Essbarem. Schön in rot-weiß frisch bemalt. Kurz danach dann unser Hotel – auffällig und von einigen Metern schon klar erkennbar. Gut gepflegt, frisch gewischter Boden, Terasse mit Stühlen und Tischen. Der Innenraum angenehm – ist wahrscheinlich die Lobby. Es ist ein sehr kleines Hotel. An der Rezeption ein Junge von vielleicht 17, der alles freundlich abwickelte. Aber uns das Zimmer noch nicht gab – wir waren wesentlich zu früh dran. Verständlich – und so liessen wir das Gepäck zurück und zogen wie gierige Raubtiere auf Futtersuche los. Zogen durch die lärmenden Straßen, sprangen zwischen klar auf ihr Ziel fixierten Fahrern in ihren metallenen Gefährten hindurch. Immer wieder mal blieb ich stehen und musste einfach fotografieren: das unfassbare Kabelgewirr, bei dem Kabel auch kreuz und quer über Kreuzungen gespannt oder auf ein vorhandenes draufgelegt werden. Gigantische Hochhäuser im deutlichen Verfall begriffen, kleine Shops, die nicht mehr sind, Straßenhändler, die RayBan-Brillen anpreisen – in einer unfassbaren Anzahl. Und die vielen indianischen Frauen, auf dem Boden kauernd, die Schmuck anpreisen, während sie schon am nächsten Kettchen arbeiten. Die Menschen sowieso ein spannendes Gemisch: eben die genannten Händler, vor den Läden sitzende Ladenbesitzer, kaum Touristen und viele, die offensichtlich hier in Büros und Banken arbeiten und auf dem Weg in ein Restaurant sind.

Das sind wir auch. Und verschwinden schliesslich total ausgehungert in ein Restaurant, dass sich später auch mit eben diesen Angestellten füllt. Aber egal, wir haben unser Schnitzel und Kartoffelbrei. Und Bier – viel Bier, einheimisches Bier. Serviert in einem Blecheimer voll Eis. Genussvoll lass ich es in das Glas fliessen, spüre das kalte Glas an den Lippen und mit einem seufzen und geschlossenen Augen ergießt sich das wohlige Kühl in meinen Rachen. Augenblicklich weiß ich, wir sind angekommen.

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