Sinking in the rain

Der tropische Regen scheint nur zwei Status zu kennen – an oder aus. Es begann als Weckton am frühen Morgen. Dieses Trommeln gegen das Blechdach, das immer lauter anschwoll zu einem nicht überhörbaren Lärm, einem Brüllen. Bis mein Verstand realisierte, was da los ist, war alles zu spät. Der Himmel nicht mehr vorhanden, auch keine Nachbarschaft mehr. Nur noch das, was unmittelbar vor der Nase zu sehen ist – Regen. Viel Regen. Sehr, sehr viel Regen. Der faucht am Balkon vor dem Zimmer wütend vorbei, als jage er der Sonne hinterher, die hier noch gestern fröhlich gespielt hatte.
Der Blick hinüber ins Restaurant, hinüber ins warme Licht, das Kaffee, Obst und Brot verheißt, wird immer sehnsüchtiger. Es scheint aussichtslos, auf die andere Seite zu gelangen. Der Hof, obwohl nur wenige Meter breit, steht unter Wasser. Das könnte man schaffen. Aber . . . der Regen! Es schüttet dermaßen, dass man nicht nur etwas nass wird auf der kurzen Distanz, man müsste gleich wieder umdrehen und sich umziehen. Ein Teufelskreis! Günther und ich stehen an unseren Türen wie zwei Hunde, die den Braten zwar riechen . . . ihr wißt schon.
Anfangs scherzen wir noch, sind uns sicher, das dauert nicht lange. Der Wetterbericht sagt: bis 9. Wir packen unsere Kameras aus, filmen und fotografieren das lustige Spektakel. Schicken es an Freunde und Familie. Das ist irgendwann ausgereizt. Der Blick wandert rüber zum Speiseraum.
Irgendwann lässt der Regen auf einmal nach. Wir wittern unsere Chance. Beim Kaffee beschliessen wir, den geplanten Besuch zu wagen. Wir sind nämlich zum Frühstück eingeladen. Allerdings ein paar quadras entfernt. Wir müssen nur vor bis zum Busterminal, von da ist es gaaar nicht mehr weit. Das sollten wir in 7 Minuten schaffen . . .
Ich packe mein Minihandtuch ein. Und wir flitzen los! Halten uns immer unter den fast durchgehend vorhanden Schutz der Shopdächer, Markisen. Dann urplötzlich am Busterminal bricht es wieder los. Der Hausmeister von Villarica fegt mit einem Riesenschwall Wasser durch seine Stadt. Ruckzuck wird aus der Straße ein Fluss und die Lücken zwischen den Gehsteigabschnitten zu unserer Falle. Das Wasser bricht hier zwischen den Häusern auf die Straße. Dem Tod trotzend schlagen wir uns dennoch bis fast vor das Haus durch – inzwischen klitschnass. Mein kleines Handtuch hilft mir wenigstens, mein Gesicht und die Lockenpracht zu trocknen. Unser Blick fällt auf die riesige Mauer und das verschlossene Tor. Auf den letzten 10 Meter und vor dem Tor kein schützendes Dach, kein trockener Fleck. Entweder wir warten hier, bis der Regen aufhört oder wir schreiten zum Tor, klopfen, hoffen dass wir gehört werden . . .
Wir wagen es. Klopf, klopf, dröhnt der Regen auf den Schädel und Günther gegen das Tor. Nichts. Das TShirt ist durch. Die Hose von unten bis zum Knie komplett aufgeweicht. Der Rest ganz ok. Was tun? Da drüben ist ein Shop. Vielleicht hat sie ein Telefon . . . und weiß die Nummer!? Wir fragen. No! Sie will uns helfen, aber no way. Günther rennt noch mal rüber . . . hämmert mehrfach gegen das Tor. Dann Rufe von innen, das Tor geht auf . . . wir werden ausgelacht. Zu Recht!
Ach übrigens . . . nach nur 10 Stunden war der Spuk vorüber. Die Sonne kam raus, fröhlich pfeifend. Die Straßen waren eine Stunde später wieder trocken und sah fast aus, als wäre nichts gewesen. Nur irgendwie wirkte alles etwas sauberer . . .

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