Iguazúwasserfälle

Die Aussicht: Stempelsammeln im Reisepass. Meiner ist neu und außer der Einreisestempel von Paraguay blanko. Und heute könnte es heiter werden – durch Brasilien nach Argentinien, und zurück!
Nicht so heiter dagegen das Wetter. Jetzt ist man einmal in seinem Leben in dieser sonnenverwöhnten Ecke mit praktisch Schönwettergarantie – 400 Tage im Jahr! Und dann waren am Vorabend schon jenseits des Flusses Blitze zu sehen an dem klaren Nachthimmel kurz vor Vollmond. Aber für heute ist das Wetter nicht so toll angekündigt. Nach langem hin und her entscheiden wir uns, dass uns ein Taxi nach Argentinien direkt zum Eingang bringt. Abgesehen davon, dass wir zuerst in das falsche Taxi steigen, klappt alles super. Der Taxifahrer zieht mir aber vom Reisepass gleich mal ein paar Stempel ab – Brasilien und Paraguay sind im sogenannten Mercosur, d.h. wie in der EU wird nicht groß rumgestempelt sondern einfach die Grenze überschritten. Aber die Argentinier beäugen uns neugierig und hauen den Entrada-Stempel ins Büchle. Wir sind drin!
Die Strecke bis zum Eingang des Parks ist schnell überwunden. Kaum Autos zu sehen. Vielleicht sind wir da ganz alleine? Ähm, nööööp! Leider nicht. Es herrscht reges Treiben an den Kassen und Shops. Das ganze hier wirkt etwas wie der Eingang zu einem Zoo. Professionell aufgezogen und gut organisiert. Uns soll’s recht sein. Also bezahlen wir unseren Anteil – in Pesos. Andere Währungen werden hier nicht akzeptiert! Aber jetzt genug vom Drumherum. Wir wollen die Wasserfälle sehn!
Der Weg zum Objekt der Begierde führt erst mal durch den Dschungel. Es grünt so grün . . . also üppige Vegetation hier und urige Laute aus dem Wald. Ein riesige Ameise 🐜 versperrt mir den Weg. Jeder Tritt läßt den Boden erbeben . . . Ok, ich übertreibe. Aber das Viech ist gigantisch. Zum Glück war das nicht diese Riesenviecher, die mich in Villarica in so großer Zahl angegriffen hatten! Puuuh! Über den Pfad wandern seltsame Klumpen in verschiedenen Formen. Die Klumpen sind schwarz und seltsam lebendig, also nicht einfach ein Körper mit Haut und Augen vorne. Nein! Ich gehe auf die Knie und schau mir das genauer an – das sind Würmer oder so ähnlich. Die Bilden einen Haufen fast so groß wie meine Hand, wie eine Ratte. Dabei bewegen sich alle durcheinander und wandern auf diese Art zielstrebig vorwärts. Bizarr!
Weiter geht’s. Es ist schwül, drückend. Ich bin jetzt hellwach und schaue rechts und links. Sehe die Orchideen, die da wild auf den Bäumen wachsen, bunt blühende Sträucher, achte auf das mächtige Zirpen der Grillen und fremde hupende Laute. Bis wir schliesslich einen kleineren Wasserfall passieren. Die steile Treppe führt uns vom höchsten Punkt bis auf etwa die Mitte runter, wo wir auf einer Brücke verharren und den „kleinen“ Wasserfall staunend bewundern. Wir bleiben nicht lange, den ein fernes Grollen verrät, dass da mehr kommt. Wir kommen an eine kleine Aussichtsplattform mit gigantischem Panoramablick.

Das Auge weiß nicht, wohin es zuerst schauen soll. Wasserfälle, so weit das Auge reicht. Von links nach rechts. Mittendrin eine Insel – Isla San Martin. Im Vordergrund Palmen. Ich vermute Captain Sparrow irgendwo in der Nähe, kann aber die Black Pearl nicht entdecken. Das wirkt hier alles so fremd, unreal, wie eine Kulisse. Wir machen ein paar Aufnahmen – Foto, Video, Selfie. Alle hier machen das. Ich versuche gar nicht erst, originell zu sein. Wir verweilen nicht weiter, denn der Weg führt wohl noch näher ran. Wie nahe, ahne ich zu dem Zeitpunkt nicht. Nur, dass die Zeit für einen Besuch der Insel nicht reichen wird. Denn man läuft hier schon ein paar Kilometer.
Der Abstand zwischen Weg und den Fällen wird immer kleiner, bis wir an eine Bahnstation kommen. Eine kleine Bahn fährt die Gäste an verschiedene Hotspots der Fälle. Nach der Lauferei entscheiden wir uns für eine Fahrt zum Garganta del Diablo. Die Übersetzung Teufelsschlund und der Blick auf den Plan der Wasserfälle entspannt nicht gerade. Im engen offenen Waggon sitzen wir zusammengepresst nebeneinander. Ich bin so gegen die Dame neben mir gequetscht, dass es mir nicht gelingt, das iPhone herauszufischen, um die herumstreunenden Nasenbären zu filmen. Die sammeln Guavefrüchte ein, was einen herrlich frischen süßlichen Duft verströmt. Wir sitzen mit ein paar Deutschen und wechseln ein paar Worte. Endlich kann ich auch mal wieder den Mund aufmachen . . .
Es fängt an zu regnen – kann sich der Wetterbericht nicht einfach mal irren wie zuhause? Es regnet nur leicht, was die Schwüle erhöht. Mir läuft das Wasser von der Stirn. Endlich sind wir angekommen. Es regnet nun richtig, denn jetzt müssen wir schutzlos laufen. 1,1 km bis zur Gorgonzola des Teufels, oder wie das heißt. Es geht die ganze Zeit auf einem metallenen Steg über den Fluß oberhalb der Fälle. Der Regen stört beim Laufen kaum, außer das es leicht rutschig ist. Man sieht nach unten durch das Gitter auf den Fluß. Riesige Welse lassen sich hier von Besuchern mit Keksen füttern. Der Weg führt im Zickzackkurs dem Gebrüll entgegen. Ein irrsinnig lauten Gebrüll. Das Wasser nimmt kräftig Fahrt auf.
Der Steg biegt nach links ab, dahin, wo sich Unmengen an Menschen tümmeln, teilweise in Plastik-Ponchos, quietschend, schreiend. Nach rechts zweigt ein Steg ab, völlig leer. Unter diesen schießt das Wasser in breiter Front runter in den Teufelsschlund, unter der Plattform hindurch, die unmittelbar vor mir steht. Der ultimative Ort für Selfies! Immer wieder stiebt die Gischt quer über die fotografierende Menge, die sich hier anfühlt wie die Würmer im Eingangsbild. Bizarr! Schaut man starr auf die entsetzlichen Wassermassen, scheint die Plattform sich zu bewegen.
Ich stürze mich in die Menschenmassen, leichter Regen von oben, Sprühnebel von der Seite. Nur im TShirt bei 32 Grad sogar fast angenehm. Wobei für die Fotos die Sonne ganz nett gewesen wären. Also, ich geh dann mal duschen . . . ich melde mich . . . blubb, blubb, blubb

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