Die Herren von Paraguay

Da steht der prächtige Bau mitten in Villarica; mit dicken fetten Säulen davor schindet er mächtig Eindruck. Davor in diesem Kontext völlig berechtigt die Plaza de los Heroes – der Platz der Helden. Ohne nachzudenken sehe ich sie vor mir, die alten Helden – ganz in Metall, das Schwert an der Seite, das Visier offen und die Lanze in den Boden gerammt! Den frisch eroberten Besitz! Oder die Soldaten in adretten Uniformen, vom Schlamm besudelt und blutbefleckt, wie sie Reihe um Reihe ihr Leben liessen für ein freies Land.
Aber . . . die wahren Herren im Land, das sind die Hunde. Zahlreich bevölkern sie das kleinste Dorf, beherrschen die Straßen, und machen was sie wollen. Heute erst trieb eine Gang von ihnen auf dem Plaza de los Heroes ihr Unwesen. Ungeachtet der vielen Zweibeiner auf den Bänken und Wegen, stromerten sie zwischen ihnen umher und pöbelten sie an. Sie waren gut zwischen 10 oder 12. Große kräftige Hunde, die Herren eben. Läuft man hier durch die Straßen, begegnet man ihnen praktisch überall. Hier raufen sich zwei, da drüben dösen ein paar – kleine, große, schwarze, weiße, braune. Angenommen, also nur mal angenommen, die Stadt würde hier mit einem Kehrfahrzeug – ihr wisst schon, die mit den kreisenden Besen ringsum – durchfahren: da wären am Ende immer bestimmt 10 Hunde eingesammelt worden.
Diese Snobs beachten die Menschen kaum. Bestimmt betrachten sie diese als ihre Bedienstete: die dürfen Wasser bringen, Knochen hinwerfen oder sonstige Dienste verrichten. Aber der Hund ist der Herr. Angebunden sieht man Kühe, Pferde, Ziegen und Schafe. Aber Hunde? Niemals. In einem Dorf beobachte ich noch so eine Rotte – voraus ein wohl besonders riechendes Exemplar. Und der ganze Pulk marschiert schnüffelnd hinterher. Versucht gelegentlich mal auf den ersten draufzuspringen. Kopulationsversuch? Ich will’s nicht wissen.
Woanders entdecke ich dann sogar einen Chor. Eine Hundeschule habe ich zwar hier nicht entdeckt. Aber dennoch bekommen sie hier einen Chor zustande. Zuerst stand ich da und bewunderte gerade wieder so einen Mammon. Auf einmal beginnt nebenan – für mich nicht sichtbar – ein Hunde zu winseln, jaulen. Auf einmal geht das Konzert los. Unmengen an Hunden stimmen in das Gejaule ein. Gejaule? Ich tue ihnen bestimmt Unrecht. Wahrscheinlich ist das hohe Schule. Nach einer Minute ist der Song dann wohl aufgenommen. An dem Nachmittag nahmen die eine ganze CD auf. Die erscheint demnächst als „Le mejor de Paraguay“ – kauft Leute kauft!
Wir fahren, wenn wir fahren, mit dem Bus. Nie hab ich hier – wie in Deutschland – einen Hund mitfahren sehen. Aber vom Bus aus sind die Straßen gesäumt von Hunden. Meist dösen sie im Schatten, sich auf dem Rücken wälzend. Und träumen davon, von Paraguay aus die ganze Welt zu erobern. Dabei schauen sie entrückt auf die Flugzeuge über sich. Dann treffen sie sich wieder mit „ihrer Gang“ und schmieden Pläne: wie kommen wir auf ein Schiff, einen Flieger? Wieviele braucht man, um mit ein paar Zweibeinern fertig zu werden? Habt ihr schon gehört, in Deutschland sollen Hunde angebunden, gekettet und dressiert werden!? Vamonos, lasst uns die armen deutschen Hunde befreien! Hier kommen die „Herren von Paraguay“!

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