Holá Peru 🇵🇪

Die Ausreise aus Paraguay lief so glatt, als wollte man uns loswerden. Eine gemütliche Taxifahrt, freundliches CheckIn und ich bekam meinen Ausreisestempel. Das Flugzeug nach Lima war nicht voll besetzt, und so setzte ich mich ans Fenster. Schaute runter auf die Landschaft, die in saftigem Grün unter uns vorbeizog, langsam brauner wurde, felsiger und von flach nach hügelig sich zu bergig änderte. Zuerst war es ein sich schlängelnder Fluss – braun wie Milchkaffee -, der aus einer langgezogenen Kette kam. Nach der Kette ein Tal, danach noch eine Kette. Der Fluss querte beide Ketten in Schlangenlinien, als würde ihn Berge nicht interessieren. Entlang des Tals dazwischen, flossen wiederum hellbraune Flüsse in diesen großen Fluss, sodass eine Art Kreuz entstand.

Die Berge wurden höher, teils weiß bedeckt. Die Wolken verdichteten sich, sodass nur noch vereinzelt verschneite Kuppen herausstanden. Bis auf einmal der Pazifik sichtbar wurde – wie eine große blaue Platte, ohne Schaumkronen. Wir kurvten raus auf’s Meer und nahmen Anlauf auf Lima, flogen entlang der Küsten und ich konnte sehen, wie das Land braun ist, schnell ins Landesinnere zu Hügel und Bergen anstieg und sich dort im Dunst verlor. Braune Gebäude wie Legosteine übereinander getürmt zogen vorbei. Industrielle Anlagen konnte ich noch sehen, da landeten wir auch schon. Raus aus dem Flieger erwartete uns eine warme Luft. Das Hemd, das ich sicherheitshalber angezogen hatte, wollte ich wieder loswerden. Aufgeknöpft, Ärmel hoch!

nach Cusco

In dem netten aufgeräumten Flughafen begann nun eine kleine umständliche Prozedur, da wir ins Land einreisten, aber wieder komplett neu einchecken mussten für den Inlandsflug nach Cusco. Als wir uns durchgekämpft hatten, setzten wir uns in einen leicht überfüllten Bereich mit mehreren Schnellrestaurants. Papa John’s hatte Pizzen für uns und das nette Mädel sprach Englisch. Das Essen war nix besonderes, also konnte man sich getrost umschauen in diesem Gewusel. Hier sind die Besucher doch ganz anders wie noch zuvor in Asuncion. Deutlich mehr Touristen in Funktionskleidern und hohen Türmen von Rucksack, Schlafsack und weiteren Säcken auf dem Rücken. Als klare Fans des Landes tragen sie manchmal landestypische Mützen, vermutlich aus Alpaka.
Ein letzter Check noch, dann sitzen wir am Gate 11 in der Abflughalle. Hier können wir nochmals unsere Handys laden . . . Huawei sei dank! Gekrümmte Monitore zeigen Sehenswürdigkeiten dieser Welt. Neckarsulm ist nicht dabei . . . warum nur? Nach etwas Gedöse sind wir auch schon wieder im Flugzeug. Ich sitze in der dritten Reihe am Gang. Neben mir ein dunkelhäutiges Ehepaar. Ich denke, es sind Amerikaner und spreche sie auf englisch an. Aber es kommt nichts an. Die deutlich spanische Antwort lässt keinen Zweifel… die sprechen kein Englisch. „Hablar ingles?“ – Kopfschütteln.
Die beiden sind sichtlich nervös. Beide so einiges über 60. Er sitzt am Fenster und ist klar der aufgeregtere. Sie sitzt zwischen uns als Sicherheitspuffer für mich und verändert ihre Position nicht einmal während des Fluges. Ihr fülliger Körper erlaubt es ihr, die Handtasche zwischen sich und dem Sitz davor zu klemmen und ihren nervösen Gatten ständig mit dem dringend benötigten Handy zu bedienen. Denn er sitzt am Fenster und muss die Bilder machen. Dabei ist er aber den kompletten Flug ständig aus dem Häuschen. Andauernd tuscheln sie, reden etwas. Der Griff geht in die Handtasche, Entsperrzeremonie, Knipsen.
Manchmal nimmt er Blickkontakt mit mir auf, wenn es besonders aufregend wird und seine Frau alleine das nicht kompensieren kann. Ich lächle bestätigend und aufmunternd zu, Daumen hoch und helfe beim Rausguggen. Dabei seh ich fast nichts. Außer dass es total grün ist draußen. Ich denke: Wow, totale Schräglage. Mein Blick geht zum Fenster rechts: da ist es genauso grün. Ähem, was ist da los? Ich brauche ein paar Sekunden um zu verstehen, dass wir zwischen Hügel hindurchfliegen. Auf den stehen kleine weiße Häuschen, wie eine Herde Alpaka auf dem Weg zum Gipfel. Jetzt fliegen wir eine Kurve und je schräger die Lage, desto mehr erkenne ich, dass diese Häuser richtig viele werden, je weiter unten sie am Hügel stehen. Wir schwenken in die andere Richtung. Die grünen Hügel drängen sich näher, es fühlt sich an wie ein Unglück. Aber es ist der ganz normale Landeanflug auf Cusco. 😉

A warm welcome to Cuzco

Hier hat man Stil: mit traditionellen Klängen unterlegt scheppern Lautsprecher am Gepäckband ein herzliches Willkommen in Spanisch und Englisch. Meinen Koffer lockt das nicht. Der läßt auf sich warten, während alle schon freudestrahlend zu den Taxis laufen. Günther filmt, während ich nervös warte. Da spielen sie doch tatsächlich El Condor Pasa, was mein Koffer wohl als El Koffer Pasa interpretiert – wir beherrschen kein Spanisch – und er stolpert, sehnsüchtig zu mir schielend, vom Band. Dabei bricht er sich ein Bein, also ein Rädchen. Jetzt passt er endgültig zu mir! Jetzt haben wir beide ein Rad ab. Ich repariere notdürftig und hab jetzt ein Argument, den Kofferträgern gar nicht mehr zu trauen. Selbst ist der Mann und wir schleppen unsere Koffer ins Freie. Die Taxifahrer reden in einem Schwall auf uns ein. Aber ich kann sie nicht hören . . . bin ergriffen von der überwältigenden Umgebung. Ringsum riesige, wohlgeformte Hügel, wie aus einem Kitschmalbuch. Linien ziehen sich durch die grüne Landschaft, Häuschen bilden kleine Punkte, als hätte ein Pointillist gemalt. Irgendwann lassen wir uns von einem Taxifahrer mitschleppen, aber nur, weil er ein Alpakafell auf seiner Ablage hat. Für ein paar Soles – 15, um genau zu sein, was ca. 4,34 € entspricht (für 4 km) – kurvt er uns exakt vor das schnuckelige Hotel. Ich mag es sofort. Es liegt zwar an einer viel befahrenen Straße, aber es ist so schön klein und unauffällig. Aber davon später mehr. Wir müssen uns erst mal ausruhen . . .

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