Adios los Paraguayos

Liebes Paraguay,

obwohl ich noch gerne länger bei dir geblieben wäre, fühle ich keinen Trennungsschmerz. Zu spannend ist das, was mich in Peru erwartet. Ihr seid euch nie begegnet. Ich werde dir aber gerne davon berichten, sobald ich dort bin.
Die Zeit, die ich mit dir verbringen durfte, werde ich wohl nie vergessen. Vom ersten Kulturschock bis zum letzten leckeren Obst. Nicht alle Erwartungen – gute wie schlechte – hast du erfüllt. Aber im Gegenteil mich an vielem teilhaben lassen, das ich so nicht erwartet hatte. Deine Menschen lächelten immer, wenn wir uns angeschaut haben. Ob es ein Straßenhändler war, eine Verkäuferin im Shop, Angestellte auf der Bank, Polizisten, Beamte und viele andere. Durchweg versuchten sie, ihr Ziel auf freundliche Weise zu erreichen und schimpften nicht, wenn man mit ihnen nicht einig ging. Und wie freundlich sie sich um eine Unterhaltung bemühten, obwohl ich kein Wort spanisch oder gar Guaraní sprach. Aber Hände und Füße sind ja auch noch da!

Jetzt sitze ich im Flieger nach Peru und blicke auf dein Land. Hunderte kleiner Wölkchen verstreut wie Kuchenstreusel über ein durchweg grünes flaches Land. In Karos eingeteilt, als wäre es ein Spielbrett. Und da denke ich eine die üppige Vegetation, die ich selbst in deinen Städten gesehen habe. Grün soweit das Auge reicht. Oh ja, die Bäume und Sträucher werden mir fehlen. Mitten im heißen Sommer lässt du nichts vertrocknen – frisches Grün säumt die Kronen deiner riesigen saftigen Mangobäume. Sträucher mit trompetengleichen gelben, roten und weißen Blüten übersät nährt die hektisch umherschwirrenden Kolibri. niedrige Bäume mit roten Blüten gleich Flaschenbürsten. Zitrone, Orange, Guave . . . Gummibäume und Philodendren. Auf deinen Bäumen sitzen die Orchideen, fest verwurzelt lassen sie sich tragen. Wie gerne hätte ich sie blühen gesehen, ihren Duft eingesogen.

Unter mir ziehen nun die Anden vorbei. Auch du hast mir deine Berge gezeigt – ganz weit in der Ferne das Ybytyruzu-Gebirge in sattem Grün mit Feldern in frischem Grün, als wären es riesige Fußballfelder. Nicht so karg und unwirtlich, wie der Anblick, den ich jetzt habe. Was ist bei dir eigentlich nicht grün bemalt? Wären da nicht die Flüsse, Häuser und Straßen, du wärst ein einziger Garten. Durchzogen von roten Wegen wie Blutbahnen, hellrot und tiefrot durchziehen sie dein Land und füllen es mit Leben. Kühe, Hühner und Hunde durchstreifen es, fressen sich satt.

Und doch scheint irgendetwas nicht zu stimmen mit dir, sorgt für das gleiche Elend unter dem Volk, dass überall zu beobachten ist. Armut, Missbrauch als Opfer eines viel zu schnellen Fortschritts. Aber andere Länder gönnen sich schon so lange das, wonach du gierig strebst. Aber ich will dich nicht beurteilen. Zu kurz war ich zu Besuch, zu wenig hab ich gesehen, um wirklich zu verstehen. Am Ende bleibt mir ein zahnloses Lächeln in Erinnerung, dass ich für immer erwidern werde. Hasta luego, Paraguay. Deine tiefe Wärme durchdringt mich noch immer.

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p dir=“ltr“>Tu amigo
Oliver

Neckar, mi amor . . .

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wann habe ich dich zum letzten Mal für so lange verlassen? Das ist schon viele Jahre her. Fast schon eine Ewigkeit lebe ich in deiner Nähe . . . dabei sollte ich dich gar nicht so mögen. Als Kind hab ich in einen deiner Zuflüsse gepinkelt und du hast dich gerächt: ohne geringste Schwäbischkenntnisse musst ich das Gedicht „Dr Neckar“ vortragen. Du hast unser Freibad und unsere Spielplätze überflutet. Ich hatte Angst vor deinem Zorn.

Aber im großen und ganzen war es immer schön bei dir . . . hab an deinen Ufern gespielt, bin durch dein Wasser gewatet, hab auf dich auf Eis überquert. Du gabst mir Ruhe auf deinen Kiesbänken und nahmst schon viele meiner Tränen auf und trugst sie fort aus meiner Trauer.

Nun aber flieg ich zu deinen Geschwistern in Südamerika, wilder und gefährlicher als du sollen sie sein. Und so herzlich, dass sie ganze Länder umarmen nähren. Ich schau sie mir an und wenn ich zurückkomme, und dein Eis getaut ist, die Trauerweiden knospen in frischem Grün, dann setze ich mich zu dir und erzähl von ihnen…