Buenos Aires

In Buenos Aires landeten wir nach einem ereignislosen Flug von Cusco über Lima. Peru stempelte ein „hasta la vista“ in den Pass und weg waren wir. Die Temperaturen hätten unterschiedlicher kaum sein können. Bei ca. 6 Grad verließen wir Cusco und kamen bei über 30 Grad in Buenos Aires an. Das Taxi kutschierte uns in das Zentrum von Buenos Aires durch eine Stadt, die an Europa erinnerte. Breite bequeme Straßen genossen wir in einem sauberen Chevrolet-Taxi. Übrigens sind die Taxi hier einheitlich gefärbt, schwarz mit grünem Dach. Das erste Mal in Südamerika, dass ich das sehe.
Am Straßenrand vertraute Bilder: es ist Sonntag und die Leute vergnügen sich im Park. Rechts und links der Straße ziehen sie sich entlang mit schönen ausladenden Bäumen. Menschen grillen, spielen und dösen in der Sonne. Die Bäume stehen zum großen Teil in Blüte. Ich denke spontan: du bist hier in der Akklimatisierungsschleuse nach Europa. Ein gutes Gefühl!
Die enge Sträßchen und hohen Häuser im Zentrum fallen sofort auf. Auch dass hier Fußgängerzone ist. Die letzten Meter ins Hotel mussten wir laufen.

Hotel El Cabildo

Den Eingang zum Hotel verpassten wir zuerst einmal. Der ist so schmal, da ist der Hauseingang zuhause breiter. Der extrem schmale Flur – hier passe ich gerade samt Koffer hin, vorbei kann einer nur per Saldo über mich drüber – wird durch einen vollflächigen Spiegel künstlich verbreitert. Links windet sich eine Treppe nach oben. Geradeaus am Ende des Ganges ein kleiner Schreibtisch mit einem Herrn mit gebügelter Hose, gestreiftem Hemd, Krawatte, Brille und verbindlichem Lächeln. Unser Zimmer ist im ersten Stock. Davor ein Wasserspender mit kaltem und heißem Wasser. Ich juble innerlich – der Wasservorrat ist gesichert.

Cambio

Das kleine Zimmer hat eine Pritsche für mich. Das reicht. Raus auf die Straße! Das Trillern und Hupen, das noch aus Peru nachhallt, ist hier nicht mehr zu hören. Dafür schallt es alle paar Meter „Cambio!“ – „Cambio, Cambio, Cambio; Dolares, Euro!“ Menschen in Zivil stehen auf der Straße herum und bieten Geldwechsel – Cambio – an. Irgendwann muss ich mal tatsächlich Geld tauschen, 10 Dollar gegen . . . ja, gegen wieviel eigentlich? Ich schnappe meine UmrechnungsApp – die sagt, 154 Peso sollte ich bekommen. Tatsächlich bekomme ich 150 von einem Büro, in das uns der Typ schleppt. Ich bin damit zufrieden.
Bei einer anderen Gelegenheit will ich nochmals wechseln. Auf einmal sind die Typen nicht mehr zu finden. Endlich haben wir einen. Der will mir nur 120 dafür geben und reißt mir die 10 Dollar beinahe aus der Hand. Ich bin nicht einverstanden! Da beginnt er zu schimpfen und sich mit einem Geldschein symbolisch den Hintern zu putzen. Ich denke nicht, dass er der richtige ist. Kurz danach der nächste. Der will mir nur 100 geben. Der Kurs stürzt. Egal, so nicht!
Dann kommt uns die glorreiche Idee, 2 Flaschen Wasser zu erstehen, mit den 10 Dollar zu bezahlen und uns den Rest in Peso auszahlen zu lassen. Das war der bisher beste Kurs!
In dem Laden erkennt uns ein Argentinier mit riesigen Muskeln – noch größer als meine – als Deutsche. Über seinem grellen gelben T-Shirt erstrahlt ein breites Grinsen. Auch seine blonde Frau freut sich sichtlich. Er wirft mit ein paar Brocken Deutsch um sich: „Willkommen in Argentina!“, „Wie geht’s?“ Und „Dankeschön“. Dabei freut er sich tierisch. Auf der Straße begegnen wir den beiden wieder. Ich sehe, dass er auf dem Nacken „Gott mit uns“ tätowiert hatte. Auf der Wade den deutschen Reichsadler. Den Spruch fand er toll, weil es um „dios“ (Gott) geht. Ahja!

Stadtbesichtigung

In den 2 Tagen, die wir hier verbringen, besichtigen wir die vier Hafenbecken von Puerto Madera und den Stadtteil La Boca, ein besonders bunter Stadtteil. Die vielen Kilometer, die wir dabei zu Fuß zurücklegen, beweisen, dass das eine riesige Stadt ist und wir nur daran schnuppern. Die Sonne scheint nicht so unbarmherzig und die Stadt Buenos Aires macht ihrem Namen dadurch alle Ehre, dass ständig ein recht starkes Lüftchen weht.

Die Hafenbecken sind riesig lang und es ist nicht sehr viel Betrieb. Yachten liegen im Hafen, in den Restaurants und Cafės treiben sich Menschen rum, im europäischen Stil – sag ich jetzt als Europäer – gekleidet. Radfahrer, Jogger und Skater düsen vorbei. Es ist eine gute Stimmung zum Laufen, Flanieren. Riesige Kräne zeugen davon, dass hier mal früher Frachten verladen wurden. 2 Kräne tragen die Aufschrift VEB Eberswalde – die alte DDR läßt grüßen.
Immer wieder kommen Flugzeuge rein, da in der Nähe ein Flughafen direkt am Meer liegt – der Aeroparque, von dem aus wir unseren Rückflug antreten werden. Die Flieger scheinen durch die hohen Bürogebäude hindurchzufliegen, was ich unbedingt fotografieren muss. Wir kommen an eine große weiße Brücke, die offensichtlich schwenkbar ist. Sie sieht mit ihren vielen Seilen zwischen einem langen schräg aufragenden Pfosten und dem Fußweg wie eine riesige Harfe aus.
Erwähnenswert ist sicher auch das Casa Rosada. Das ist der argentinische Präsidentenpalast am Plaza de Mayo. Evita Péron fällt mir ein und in meinem Kopf singt Madonna „Don’t Cry For Me, Argentina“. Jede Zufahrt ist mit dicken Metallblockaden massiv versperrt, in denen ein kleiner Durchlass gelassen wurde. Schwer gepanzerte Polizeifahrzeuge überall zeugen von Schwierigkeiten. Hier ist es nicht gemütlich. Schnell weiter.

La Boca

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p dir=“ltr“>Ein Taxi kutschiert uns raus nach La Boca. Kaum sind wir aus dem Taxi raus, sehen wir Unmengen an Menschen vor uns. Lästige Touristen wie wir. Hier wird das Fotografieren und Filmen extrem schwer. Denn das tun hier fast alle. Der Rest wird verführt vom Speise- und Kitschangebot – Souvenirs so weit man sehen kann. Das ist nicht sehr weit bei den engen Gässchen. Aber die sehr bunten Häuschen in knalligen Farben locken uns alle an wie die Fliegen. Wir winden uns einen Weg durch die Massen. Man kann sich hier mit einer spärlich bekleideten Tangotänzerin so knispen lassen, dass es aussieht, als könne man tanzen. Ich widerstehe dem Fake und umtänzle die 4-5 Station gekonnt. Wenn ich mich etwas abseits halte, kann ich sogar fotografieren und hab keine Menschen drauf. Keine Verkaufsstände mit x Gemälde, groß und klein. In einer Seitenstraße, eher einem kleinen Fußweg zwischen Gebäuden und Gleisen, werden tonnenweise Fleischbrocken auf einen ächzenden Grill geworfen. Der Rauch steigt auf und verströmt einen lockenden Duft. Irgendwann werden uns die Menschen zu viel und wir lassen uns vom Taxi zurück in die Stadt bringen. Das vertraute „Cambio!“ wirkt geradezu beruhigend nach dem Gedränge und Geschubse. Zeit, hier nach etwas Essbarem zu suchen . . .

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Eine Stadt in einer Stadt

Ist Arequipa im großen und ganzen von dem weißen Vulkangestein Sillar geprägt. Dieser Stein wurde zwar auch für die Klosteranlage Santa Catalina verwendet. Jedoch erhielt er einen farbigen Anstrich, der dieser Anlage das Gefühl verleiht, eine völlige andere Welt zu betreten.
Laufen wir einmal gemeinsam durch die Stadt in einer Stadt, eine kleine Ciudad. Wir nehmen uns eine nette Führung mit, die uns in dem Raum begegnet, in dem einst die Nonnen Besuch der Familie erhielten. Sichtkontakt war dabei kaum möglich durch das doppelte Holzgitter, wobei sich die Stäbe nicht überlagerten. In diesem beklemmenden Raum spricht uns die nette Dame in roter Jacke, schwarzer Hose und Sonnenbrille in gebrochenem Deutsch an. Dank ihr, erfahren wir sehr viele Details, die ich hier aber nicht wiederholen werde. Stattdessen atmen wir die Stimmung der kleinen Stadt ein.
Zu Beginn treten wir durch einen Bogen mit der Aufschrift SILENCIO. Das gilt nicht den Besuchern, sondern den Nonnen, die in diesem Bereich nicht reden durften. Eine tolle Idee, die sich auf andere Bereiche übertragen liesse.
Wir gelangen zuerst in den Trakt für die Novizinnen. Hier ist der ursprüngliche weiße Stein noch erhalten. Ein Baum prägt den Innenhof, von dem aus es in die Zimmer geht. Ein Wandelgang umgibt den Hof. Hier stehen vereinzelt Topfpflanzen, sehr fleischige Sukkulenten. Sträucher mit blau-gelben Blüten verströmen einen mir fremden Duft.

Alles in blau

Wir begeben uns in den Trakt für die Nonnen. Blaue Säulen, quadratisch und wuchtig, tragen den weißen Kreuzgang. Wobei einfache Bilder in wenigen leichten Farben von Säule zu Wand ländliche und natürliche Motive darstellen. Auch die abgehenden Räume tragen dieses satte Blau, das herrlich anzuschauen ist.
Es fällt auf, dass die Räume unterschiedlich groß sind. Wir erfahren auch den Grund dafür: der Geldbeutel der Eltern der jeweiligen Nonne entschied, wie groß ihr Raum war. Oder ob es eine getrennte Küche und andere Annehmlichkeiten gab. Auffällig auch, dass das Bett jeweils in einer Nische mit einem Bogen darüber stand. Dies diente der Nonne als Schutz vor den Erdbeben. Bei 10 Erdbeben am Tag, kommt auch mal ein stärkeres vor. Das Kloster hatte entsprechenden Erfahrungen, wie man an manchen Stellen sehen kann.

Spanische Straßen

Nun wechselt die Farbe zu einem warmen satten rot. Diese Farben werden übrigens natürlich hergestellt und färben ab.

Jetzt habe ich endgültig das Gefühl, in einem kleinen Städtchen gelandet zu sein. Straßen – benannt nach den spanischen Städten Cordova, Toledo, Sevilla, Burgos und Granada – führen entlang den Türen, die rechts und links der roten Wände abgehen. Davor sind Pflanzen, wie zum Beispiel Kakteen, gestellt und bilden einen wundervollen Kontrast. Die Straßen verlaufen nicht schnurgerade. So ergeben sich malerische Ecken und Nischen.

Lavanderia

Am Ende der Calle Toledo dann eine rätselhafte Konstruktion. 18 halbe Tongefäße unterschiedlicher Grüße liegen entlang einer schmalen wasserführenden Rinne. Das Wasser ergießt sich am Ende in eine steinerne Schale. Die Tongefäße haben riesige Ausmaße, teilweise kann man sich da locker reinlegen. Die offene Seite liegt nach oben, sodass sie wie Badewannen wirken. Es handelt sich um die Lavanderia – die Wäscherei. Mittels eines Steines konnte man Wasser aus der Rinne in eines der Gefäße umleiten und darin dann seine Kleider waschen. Also eine Art Open Air Waschsalon.
Die Calle Burgos hält eine nette Überraschung bereit – ein schöner gepflegter Garten mit einem riesigen Avocadobaum ist das erste, was man in dieser Straße sieht. Avocado. . . mmmhmm, davon hätte ich jetzt gern eine . . . 🤤

Misti?

Bevor wir auf die sehr breite Calle Granada gelangen, führt eine steile Treppe zwischen 2 Gebäude hindurch auf ein Dach. Von hier hätte man an klaren Tagen einen super Blick auf den Vulkan Misti. Heute sind nur Wolken und viel Nebel zu sehen.

Plaza Zocodober

Wir gehen die Treppe wieder runter und ich entdecke gegenüber eine kleine Türe. Ein Gärtner ist hier am wirken in einem kleinen Steingarten. Hier pausiere ich kurz und genieße den Anblick. Rechts dieser Türe weißblütige Blumen in einem Trog. Duften süßlich schwer. In einem Fenster steht eine riesige sukkulente Pflanze in einem Topf. Von hier geht eine breite Treppe zum Plaza Zocodober. Ein Brunnen mit hellgrünem Wasser steht hier im Zentrum und plätschert leise.
Diese Idylle und Ruhe endet jäh, als wir uns auf der Straße wiederfinden. Der übliche Lärm von Autos und deren Gehupe. Die Rücksichtlosigkeit, mit der hier Fußgänger auf Zebrastreifen behandelt werden. Man fragt sich, wozu die denn da sind. Aber was geschieht da? Ein uniformierter mit Sonnebrille und einem STOP-Schild – PARE – schreitet energisch ein und stoppt die Autos. Mit aller Deutlichkeit zwingt er die Fahrer, auf die Fußgängerüberwege zu achten. Kein Zweifel, der Mann ist mein Held des Tages. Ich zücke das iPhone, um ihn bei seiner Aktion zu fotografieren. Da dreht er sich zu mir, haut die Hacken lautstark zusammen, Handkante an die Schläfe und grinst breit. Woran hat er mich erkannt? Ach nein, er posiert für ein Foto. Ich knipse lachend und danke ihm per Handschlag . . . meinem Helden und Lebensretter.