Take the long way home

Von Anfang an begegneten sie uns überall. Während sie in Deutschland brav am Flughafen, Bahnhof oder vor dem Hotel warten, machen sie ab Paraguay Jagd auf dich – die Taxis.
Kaum bist du aus dem Flieger, erwischen sie dich, noch bevor du deinen Koffer hast. „Taxi, Taxi!“ schallt es von allen Seiten. Billige Ausreden wie: „Otra dia!“ lassen sie nicht gelten.
Oder auf der Straße – da wirst du von ihnen beinahe überfahren, so jagen sie dich! Du kannst dich verkleiden, so gut du willst. Sie finden und erkennen dich. Und fahren dich über den Haufen, wenn du nicht sofort einsteigst. In Paraguay sind sie ja noch gut getarnt, kaum zu unterscheiden von den anderen Fahrzeugen. War es in Peru schon etwas besser – die Taxis hatte etwas deutlichere Schilder und hupen dich an – konnte man sie in Argentinien schon zweifelsfrei erkennen. Sie sind schwarz, haben ein grünes Dach und sogar ein Lichtsignal an der Frontscheibe: LIBRE in grün für ein freies Taxi.
Genau so eines suchten wir, nachdem wir aus dem Hotel in Buenos Aires ausgecheckt hatten. Normal kein Problem, machen die doch fast 50% des Straßenverkehrs aus. Einfach an den Straßenrand stellen . . . und wenn so ein Gefährt in Sicht kommt, winken. Also ganz einfach. Nur – es war kaum eines zu sehen. Standen wir ungünstig? Die paar Taxis, die wir sahen, waren alle besetzt. Gekonnt fuhren sie an uns vorbei. Wir winkten, wedelten, sprangen auf die Fahrbahn. Keine Chance: die Straße hatte gut 4 Spuren und sie fuhren einfach in der Mitte.
Endlich hielt einer an und marschierte an uns vorbei. Wir wagten ihn anzusprechen, weil wir doch dringend zum Flughafen wollten. Nein, desculpa, ich muss hier nur mal auf Toilette! Weg war er . . . Gibt’s das? Dann wieder ein. Wir rissen schon die Türen auf. „Kann man bei ihnen auch mit Kreditkarte zahlen?“ – „Pesos“ – „oder mit Dollars?“ – „Pesos!!!“. Für die paar lausigen Pesos die wir noch hatten, hätte er uns spätestens auf der Mitte der Avenida rausgeschmissen. Also nix! Schon braust er davon.
Es dauert eine ganze Weile, bis endlich wieder einer hält. Wir fragen ganz vorsichtig . . . Dollars? „Siiiiii“ – wir trauen unseren Ohren kaum und verstauen die Koffer schnell und werfen uns ins Fahrzeug. Schnurstracks geht es raus zum Flughafen unten am Meer, das platt und ruhig da liegt, als wäre es die Rollbahn. Wir bezahlen tatsächlich in Dollar und bekommen jede Menge Pesos raus. Soviel, dass wir damit wieder in die Stadt fahren könnten. Zu spät, denn jetzt müssen wir auf den Flieger Richtung Heimat.

Aeroparque

Hm, um genau zu sein, erst mal nach Cordoba. Das liegt auch in Argentinien. Dort haben wir dann 3 Stunden Layover, also Zeit, auf den Anschlussflug zu warten. Wir überlegen, was wir in den 3 Stunden machen, während unsere Koffer schon auf dem Band verschwinden. Erst mal müssen wir aber hier warten. Und warten. Wir warten schon lange. Viel zu lange. Am Gate treibt sich Personal rum, die aber ungern Auskunft geben. „Bitte bleiben sie sitzen. Sie werden aufgerufen!“.
Das Flugzeug sollte schon 10 Minuten in der Luft sein. Da ist es schwer, einfach zu warten, bis man aufgerufen wird. Ständig kontrollieren wir die Anzeigetafeln: Gate 11. Und an Gate 11 steht BUENOS AIRES – ON TIME. Nur dass die Time schon abgelaufen war.
Wir reden uns mehrfach ein, dass schon alles ok ist. Was nicht stimmt. Die Uhr läßt uns die 3 Stunden Wartezeit in Cordoba schmelzen. Ok, 2 Stunden genügen auch noch. Hm, 1,5 Stunden werden knapp. Endlich läßt man uns an Bord! Wir schnallen uns an und signalisieren unsere Bereitschaft, sofort abzuheben – schliesslich wollen wir in Cordoba ja mindest einen Kaffee trinken. Die Pesos hätten wir ja.
Aber dann wird das Flugzeug erst mal betankt. Ja, so ein Abflug kommt eben immer etwas überraschend. 😉
Als wir schliesslich mit 1,5 Stunden Verspätung abfliegen, entspannen wir uns langsam. Es gibt einen leckeren Rotwein an Bord und ich schlummere sanft vor mich hin.

Cordoba

Schon landen wir in einem kleinen – einem sehr kleinen – Flughafen. Flugplatz wäre ungerecht, dazu ist er doch etwas zu groß. Das Innere der Halle überrascht mich – leer, sauber und aufgeräumt. Schnell gugg ich auf meiner App, ob wir nicht versehentlich in der Schweiz gelandet sind . . . nein, es ist definitiv Cordoba. Das Cordoba in Argentinien. Irgendetwas stimmt hier nicht. Aber wir freuen uns über diesen Flughafen und gehen direkt zum Kaffee über. 3 Stunden wären hier bestimmt nett gewesen. Von der Kaffeebar aus sehe ich, wie ein Mädchen Ausdruckstänze zu Klaviermusik vorführt, während sie von 2 Leuten gefilmt wird. Nett!
Der Kaffee ist flughafentypisch so teuer, dass die Pesos fast wieder weg sind. Auch gut! Das kann mich schon mal nicht mehr belasten. Die Pause hat gut getan und ist auch schnell vorbei. Ein bisschen Internet hat die Zeit schnell überbrückt. Ruckzuck sitzen wir im Flugzeug Richtung Heimat. Richtung – nicht nach Hause! Richtung heißt, nach Brasilien, São Paulo. Dort Zwischenstopp von fast 2 Stunden. Und diesmal sind wir richtig pünktlich. Naja, bei dem ordentlichen Flughafen nicht anders zu erwarten.

São Paulo

Auf dem Flug nach Brasilien passiert nichts späktakuläres. Unten die Landschaft, oben der Himmel. Dazwischen wir, lesend, trinkend, schlummernd oder aus dem Fenster starrend. Südamerika zieht vorrüber, als zöge jemand die Landkarte unter mir weg. Adios ihr Anden, adios ihr Mango, Papaya, Guave und Alpaka. Es keimt Freude auf zuhause auf.
Der Flughafen in São Paulo ist so riesig, dass die Zeit exakt reicht, um rechtzeitig zum Boarding am Gate zu sein. Das Warten findet im Stehen statt. Eine riesige Boing wartet auf uns und entsprechend auch der Andrang. Irgendwann sitzen wir eingekeilt in der mittleren Viererreihe in den beiden Mittelsitzen. Ein Traum! Nicht!
Kurzer Check mit dem iPad – ich kann hier definitiv das Ding nicht aufbauen: Ablage zu kurz, Schreibposition erlaubt kein Ausklappen der Ellbogen. iPad ist gestrichen. Dafür wartet vor mir ein Display mit Spielen auf mich. An Bord gibt es auch noch ein Abendessen und später ein Frühstück. Dazwischen versuch ich zu schlafen. Günther tauscht mit seinem Nebensitzer aus logistischen Gründen der Platz und ich sitze wach neben 2 Siebenschläfern. Wie machen die das?
Irgendwann kippe ich nach vorne und lege meine Stirn auf den Vordersitz ab. Und schlafe ein! Sofort! Eine neue Position entdeckt. Genial. Allerdings nix für dauerhaft. Trotzdem gelingt es mir, hier und da zu schlafen und ein gewisses Pensum zu erreichen. 12 Stunden geht das so. Und ich muss nicht auf Toilette. Darüber triumphiere ich noch, als wir schon zum Sinkflug ansetzen. Die Anschnallzeichen leuchten auf, Toiletten sind tabu. Da rumpelt es in mir. Und ich schaff es nicht bis zur Landung. Definitiv. Ich stolpere hinter zum freundlichen Steward und bekomme die Erlaubnis zu tun, was ich tun muss. Allerdings ist schon alles abgeschaltet und verräumt. Reden wir nicht darüber. Die Gesundheit geht vor.

Steward

Übrigens der Steward. Der war der Knaller. Ein etwa 40jähriger Brasilianer, vor ein paar Tagen das letzte Mal rasiert. Groß, kräftig und immer zu Scherzen aufgelegt. Für jeden hatte er einen Spruch parat und wechselte ein paar nette Worte. Vorzugsweise in dessen Sprache, wenn er sie rausbekommen hatte. Irgendwo saß ein Russe und er hatte ein paar Brocken für den. Für den Inder hinter mir auch. Mich nahm er auch auf die Schippe und ich freute mich über so viel Aufmerksamkeit. Bitte liebe Fluggesellschaften: nur noch solche Leute und schickt die bei dem in die Schule!

Frankfurt

Hey, das war schon der letzte Flug. Über einen Tunnel geht es in die Verliese des Frankfurter Flughafens. Schon wieder interessiert sich jemand für meinen Pass. Für mein Gepäck. Das zieht sich wie Kaugummi. Hunderte von Fingerabdrücken zieren wahrscheinlich schon den Ausweis. Endlich, endlich bekomme ich meinen Koffer wieder. Aber oh weh, in welchem Zustand. Das Rad ist wieder ab. Aber diesmal endgültig. Keiner hat es mit auf’s Band gelegt oder an den Koffer geklebt. Ein Glück sind wir schon fast daheim.
Ich eiere mit dem Dreirad nach draußen zum Fernbahnhof, der glücklicherweise im selben Gebäude liegt. Über die Bahnfahrt gibt es nicht viel zu schreiben – ja, wir mussten auch hier 2 mal umsteigen: in Heidelberg vom ICE auf die S-Bahn und in Mannheim auf eine andere S-Bahn. Die Landschaft draußen wurde vertrauter und schliesslich kam wir sogar in Aglasterhausen an. Der vetraute Geruch ländlicher Luft, sanfte grüne Hügel und Menschen zu sehen, auf die man sich freut. Zuhause!

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Holá Peru 🇵🇪

Die Ausreise aus Paraguay lief so glatt, als wollte man uns loswerden. Eine gemütliche Taxifahrt, freundliches CheckIn und ich bekam meinen Ausreisestempel. Das Flugzeug nach Lima war nicht voll besetzt, und so setzte ich mich ans Fenster. Schaute runter auf die Landschaft, die in saftigem Grün unter uns vorbeizog, langsam brauner wurde, felsiger und von flach nach hügelig sich zu bergig änderte. Zuerst war es ein sich schlängelnder Fluss – braun wie Milchkaffee -, der aus einer langgezogenen Kette kam. Nach der Kette ein Tal, danach noch eine Kette. Der Fluss querte beide Ketten in Schlangenlinien, als würde ihn Berge nicht interessieren. Entlang des Tals dazwischen, flossen wiederum hellbraune Flüsse in diesen großen Fluss, sodass eine Art Kreuz entstand.

Die Berge wurden höher, teils weiß bedeckt. Die Wolken verdichteten sich, sodass nur noch vereinzelt verschneite Kuppen herausstanden. Bis auf einmal der Pazifik sichtbar wurde – wie eine große blaue Platte, ohne Schaumkronen. Wir kurvten raus auf’s Meer und nahmen Anlauf auf Lima, flogen entlang der Küsten und ich konnte sehen, wie das Land braun ist, schnell ins Landesinnere zu Hügel und Bergen anstieg und sich dort im Dunst verlor. Braune Gebäude wie Legosteine übereinander getürmt zogen vorbei. Industrielle Anlagen konnte ich noch sehen, da landeten wir auch schon. Raus aus dem Flieger erwartete uns eine warme Luft. Das Hemd, das ich sicherheitshalber angezogen hatte, wollte ich wieder loswerden. Aufgeknöpft, Ärmel hoch!

nach Cusco

In dem netten aufgeräumten Flughafen begann nun eine kleine umständliche Prozedur, da wir ins Land einreisten, aber wieder komplett neu einchecken mussten für den Inlandsflug nach Cusco. Als wir uns durchgekämpft hatten, setzten wir uns in einen leicht überfüllten Bereich mit mehreren Schnellrestaurants. Papa John’s hatte Pizzen für uns und das nette Mädel sprach Englisch. Das Essen war nix besonderes, also konnte man sich getrost umschauen in diesem Gewusel. Hier sind die Besucher doch ganz anders wie noch zuvor in Asuncion. Deutlich mehr Touristen in Funktionskleidern und hohen Türmen von Rucksack, Schlafsack und weiteren Säcken auf dem Rücken. Als klare Fans des Landes tragen sie manchmal landestypische Mützen, vermutlich aus Alpaka.
Ein letzter Check noch, dann sitzen wir am Gate 11 in der Abflughalle. Hier können wir nochmals unsere Handys laden . . . Huawei sei dank! Gekrümmte Monitore zeigen Sehenswürdigkeiten dieser Welt. Neckarsulm ist nicht dabei . . . warum nur? Nach etwas Gedöse sind wir auch schon wieder im Flugzeug. Ich sitze in der dritten Reihe am Gang. Neben mir ein dunkelhäutiges Ehepaar. Ich denke, es sind Amerikaner und spreche sie auf englisch an. Aber es kommt nichts an. Die deutlich spanische Antwort lässt keinen Zweifel… die sprechen kein Englisch. „Hablar ingles?“ – Kopfschütteln.
Die beiden sind sichtlich nervös. Beide so einiges über 60. Er sitzt am Fenster und ist klar der aufgeregtere. Sie sitzt zwischen uns als Sicherheitspuffer für mich und verändert ihre Position nicht einmal während des Fluges. Ihr fülliger Körper erlaubt es ihr, die Handtasche zwischen sich und dem Sitz davor zu klemmen und ihren nervösen Gatten ständig mit dem dringend benötigten Handy zu bedienen. Denn er sitzt am Fenster und muss die Bilder machen. Dabei ist er aber den kompletten Flug ständig aus dem Häuschen. Andauernd tuscheln sie, reden etwas. Der Griff geht in die Handtasche, Entsperrzeremonie, Knipsen.
Manchmal nimmt er Blickkontakt mit mir auf, wenn es besonders aufregend wird und seine Frau alleine das nicht kompensieren kann. Ich lächle bestätigend und aufmunternd zu, Daumen hoch und helfe beim Rausguggen. Dabei seh ich fast nichts. Außer dass es total grün ist draußen. Ich denke: Wow, totale Schräglage. Mein Blick geht zum Fenster rechts: da ist es genauso grün. Ähem, was ist da los? Ich brauche ein paar Sekunden um zu verstehen, dass wir zwischen Hügel hindurchfliegen. Auf den stehen kleine weiße Häuschen, wie eine Herde Alpaka auf dem Weg zum Gipfel. Jetzt fliegen wir eine Kurve und je schräger die Lage, desto mehr erkenne ich, dass diese Häuser richtig viele werden, je weiter unten sie am Hügel stehen. Wir schwenken in die andere Richtung. Die grünen Hügel drängen sich näher, es fühlt sich an wie ein Unglück. Aber es ist der ganz normale Landeanflug auf Cusco. 😉

A warm welcome to Cuzco

Hier hat man Stil: mit traditionellen Klängen unterlegt scheppern Lautsprecher am Gepäckband ein herzliches Willkommen in Spanisch und Englisch. Meinen Koffer lockt das nicht. Der läßt auf sich warten, während alle schon freudestrahlend zu den Taxis laufen. Günther filmt, während ich nervös warte. Da spielen sie doch tatsächlich El Condor Pasa, was mein Koffer wohl als El Koffer Pasa interpretiert – wir beherrschen kein Spanisch – und er stolpert, sehnsüchtig zu mir schielend, vom Band. Dabei bricht er sich ein Bein, also ein Rädchen. Jetzt passt er endgültig zu mir! Jetzt haben wir beide ein Rad ab. Ich repariere notdürftig und hab jetzt ein Argument, den Kofferträgern gar nicht mehr zu trauen. Selbst ist der Mann und wir schleppen unsere Koffer ins Freie. Die Taxifahrer reden in einem Schwall auf uns ein. Aber ich kann sie nicht hören . . . bin ergriffen von der überwältigenden Umgebung. Ringsum riesige, wohlgeformte Hügel, wie aus einem Kitschmalbuch. Linien ziehen sich durch die grüne Landschaft, Häuschen bilden kleine Punkte, als hätte ein Pointillist gemalt. Irgendwann lassen wir uns von einem Taxifahrer mitschleppen, aber nur, weil er ein Alpakafell auf seiner Ablage hat. Für ein paar Soles – 15, um genau zu sein, was ca. 4,34 € entspricht (für 4 km) – kurvt er uns exakt vor das schnuckelige Hotel. Ich mag es sofort. Es liegt zwar an einer viel befahrenen Straße, aber es ist so schön klein und unauffällig. Aber davon später mehr. Wir müssen uns erst mal ausruhen . . .

Adios los Paraguayos

Liebes Paraguay,

obwohl ich noch gerne länger bei dir geblieben wäre, fühle ich keinen Trennungsschmerz. Zu spannend ist das, was mich in Peru erwartet. Ihr seid euch nie begegnet. Ich werde dir aber gerne davon berichten, sobald ich dort bin.
Die Zeit, die ich mit dir verbringen durfte, werde ich wohl nie vergessen. Vom ersten Kulturschock bis zum letzten leckeren Obst. Nicht alle Erwartungen – gute wie schlechte – hast du erfüllt. Aber im Gegenteil mich an vielem teilhaben lassen, das ich so nicht erwartet hatte. Deine Menschen lächelten immer, wenn wir uns angeschaut haben. Ob es ein Straßenhändler war, eine Verkäuferin im Shop, Angestellte auf der Bank, Polizisten, Beamte und viele andere. Durchweg versuchten sie, ihr Ziel auf freundliche Weise zu erreichen und schimpften nicht, wenn man mit ihnen nicht einig ging. Und wie freundlich sie sich um eine Unterhaltung bemühten, obwohl ich kein Wort spanisch oder gar Guaraní sprach. Aber Hände und Füße sind ja auch noch da!

Jetzt sitze ich im Flieger nach Peru und blicke auf dein Land. Hunderte kleiner Wölkchen verstreut wie Kuchenstreusel über ein durchweg grünes flaches Land. In Karos eingeteilt, als wäre es ein Spielbrett. Und da denke ich eine die üppige Vegetation, die ich selbst in deinen Städten gesehen habe. Grün soweit das Auge reicht. Oh ja, die Bäume und Sträucher werden mir fehlen. Mitten im heißen Sommer lässt du nichts vertrocknen – frisches Grün säumt die Kronen deiner riesigen saftigen Mangobäume. Sträucher mit trompetengleichen gelben, roten und weißen Blüten übersät nährt die hektisch umherschwirrenden Kolibri. niedrige Bäume mit roten Blüten gleich Flaschenbürsten. Zitrone, Orange, Guave . . . Gummibäume und Philodendren. Auf deinen Bäumen sitzen die Orchideen, fest verwurzelt lassen sie sich tragen. Wie gerne hätte ich sie blühen gesehen, ihren Duft eingesogen.

Unter mir ziehen nun die Anden vorbei. Auch du hast mir deine Berge gezeigt – ganz weit in der Ferne das Ybytyruzu-Gebirge in sattem Grün mit Feldern in frischem Grün, als wären es riesige Fußballfelder. Nicht so karg und unwirtlich, wie der Anblick, den ich jetzt habe. Was ist bei dir eigentlich nicht grün bemalt? Wären da nicht die Flüsse, Häuser und Straßen, du wärst ein einziger Garten. Durchzogen von roten Wegen wie Blutbahnen, hellrot und tiefrot durchziehen sie dein Land und füllen es mit Leben. Kühe, Hühner und Hunde durchstreifen es, fressen sich satt.

Und doch scheint irgendetwas nicht zu stimmen mit dir, sorgt für das gleiche Elend unter dem Volk, dass überall zu beobachten ist. Armut, Missbrauch als Opfer eines viel zu schnellen Fortschritts. Aber andere Länder gönnen sich schon so lange das, wonach du gierig strebst. Aber ich will dich nicht beurteilen. Zu kurz war ich zu Besuch, zu wenig hab ich gesehen, um wirklich zu verstehen. Am Ende bleibt mir ein zahnloses Lächeln in Erinnerung, dass ich für immer erwidern werde. Hasta luego, Paraguay. Deine tiefe Wärme durchdringt mich noch immer.

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p dir=“ltr“>Tu amigo
Oliver

Das Fleischfest

Als besonderen Abschluss unseres Paraguay-Trip besuchten wir das Restaurant La Tranquera. Berühmt für ihren Asado – eine Art Grillpfanne. Da das Restaurant nicht vor 20:00 öffnet und ziemlich außerhalb liegt, liessen wir uns mit dem Taxi hinfahren. Die Straßen waren fast durchgehend frisch geteert und der Fahrer fuhr bedächtig und gemütlich. So waren wir sehr entspannt und zugleich gespannt.
Durch den großzügigen Saal gelangten wir ins Freie. Ein sehr großer ummauerter Garten, mit Laternen ausgeleuchtet und vielen dekorierten Tischen unterschiedlicher Größe. Am Rand war die Rasenfläche üppig bepflanzt mit den landestypischen Pflanzen, die wir zuhause als Zierpflanzen eher als Miniausgabe kennen. Dazwischen ragten riesige Palmen und hochgewachsene Yukka empor.

Der Kellner brachte uns Getränke, die hier üblicherweise eiskalt serviert werden. Das hat den Vorteil, dass zB. alle Biersorten gleich schmecken. Bei der Kälte gibt es keinen Unterschied mehr. Ich bevorzugte aber eine Cola. Meine beiden Begleiter vereinbarten das Essen, auf eine Karte verzichteten sie. Da wir uns aber bereits im Taxi auf Asado geeinigt hatten, konnte ich dem flüssigen Spanisch teilnahmslos lauschen und nebenher etwas fotografieren. Lautsprecher wurden aufgestellt, um uns zu beschallen. Julio Iglesias . . . ich bedauerte, kein Bier bestellt zu haben, um ihn zu ertragen. Dann ABBA „Fernando“, ok, immerhin jetzt Musik.

Die Bedienung kam wieder. Man war sich wohl über die Bestellung einig geworden. Er stellt einen kleinen Holztisch neben uns. Kurz danach einen kleinen massiven Grill, auf dem heiß und fettspritzend das Fleisch lag. Es spritzte so sehr, dass der Tisch weiter weg musste. Wir zerlegten es und verteilten es auf unsere Teller. Berge von Fleisch! Maniok und Palmherzen samt einigen Gewürzen, Öl und Essig standen schon bereit. Ich starrte das Fleisch an, schaute auf meinen Bauch. Rein physikalisch müsste ich einige Organe umfunktionieren, soll diese Menge in meinen Magen. Etwas weiches streifte meinen Fuß – ein kleiner schwarzer Hund. Er setzte sich neben mich, und schnüffelnd bot er seine Hilfe an. Danke, mein Lieber. Aber ich muss da ganz alleine durch!
Inzwischen hatte die Musik auf mexikanisch gewechselt und das Restaurant füllte sich. Valentinstag! Auf einmal waren alle lieb zueinander. Ganze Familien saßen hier und harrten auf ihr Essen, während wir uns an die Arbeit machten. Maniok aufschneiden, Docht rausziehen, Salz und Öl drauf. Dann arbeitete ich mich durch die Fleischsorten, die sehr lecker schmeckten und durchweg herrliche Krusten hatten. Das Palmherz war mit Senf garniert und war herrlich kühl. Ich schaffte es tatsächlich durch den Fleischberg. Ich war erstaunt, wie gut mein Bauch das verkraftete, ohne Völlegefühl, ohne Probleme.

Wir saßen noch etwas gemütlich zusammen, genossen die gute Luft, die tolle Stimmung. Ich legte meinen Kopf zurück und betrachtete den Sternenhimmel. Der war hier etwas abseits des Zentrums deutlich schwärzer und mit Sterne bestückt. Ich erkannte den Orion, wie er da oben funkelte. Jetzt hätte ich gerne ein Bett auf einem Dach, würde alles um mich ausblenden und in den Nachthimmel versinken . . .

Die Herren von Paraguay

Da steht der prächtige Bau mitten in Villarica; mit dicken fetten Säulen davor schindet er mächtig Eindruck. Davor in diesem Kontext völlig berechtigt die Plaza de los Heroes – der Platz der Helden. Ohne nachzudenken sehe ich sie vor mir, die alten Helden – ganz in Metall, das Schwert an der Seite, das Visier offen und die Lanze in den Boden gerammt! Den frisch eroberten Besitz! Oder die Soldaten in adretten Uniformen, vom Schlamm besudelt und blutbefleckt, wie sie Reihe um Reihe ihr Leben liessen für ein freies Land.
Aber . . . die wahren Herren im Land, das sind die Hunde. Zahlreich bevölkern sie das kleinste Dorf, beherrschen die Straßen, und machen was sie wollen. Heute erst trieb eine Gang von ihnen auf dem Plaza de los Heroes ihr Unwesen. Ungeachtet der vielen Zweibeiner auf den Bänken und Wegen, stromerten sie zwischen ihnen umher und pöbelten sie an. Sie waren gut zwischen 10 oder 12. Große kräftige Hunde, die Herren eben. Läuft man hier durch die Straßen, begegnet man ihnen praktisch überall. Hier raufen sich zwei, da drüben dösen ein paar – kleine, große, schwarze, weiße, braune. Angenommen, also nur mal angenommen, die Stadt würde hier mit einem Kehrfahrzeug – ihr wisst schon, die mit den kreisenden Besen ringsum – durchfahren: da wären am Ende immer bestimmt 10 Hunde eingesammelt worden.
Diese Snobs beachten die Menschen kaum. Bestimmt betrachten sie diese als ihre Bedienstete: die dürfen Wasser bringen, Knochen hinwerfen oder sonstige Dienste verrichten. Aber der Hund ist der Herr. Angebunden sieht man Kühe, Pferde, Ziegen und Schafe. Aber Hunde? Niemals. In einem Dorf beobachte ich noch so eine Rotte – voraus ein wohl besonders riechendes Exemplar. Und der ganze Pulk marschiert schnüffelnd hinterher. Versucht gelegentlich mal auf den ersten draufzuspringen. Kopulationsversuch? Ich will’s nicht wissen.
Woanders entdecke ich dann sogar einen Chor. Eine Hundeschule habe ich zwar hier nicht entdeckt. Aber dennoch bekommen sie hier einen Chor zustande. Zuerst stand ich da und bewunderte gerade wieder so einen Mammon. Auf einmal beginnt nebenan – für mich nicht sichtbar – ein Hunde zu winseln, jaulen. Auf einmal geht das Konzert los. Unmengen an Hunden stimmen in das Gejaule ein. Gejaule? Ich tue ihnen bestimmt Unrecht. Wahrscheinlich ist das hohe Schule. Nach einer Minute ist der Song dann wohl aufgenommen. An dem Nachmittag nahmen die eine ganze CD auf. Die erscheint demnächst als „Le mejor de Paraguay“ – kauft Leute kauft!
Wir fahren, wenn wir fahren, mit dem Bus. Nie hab ich hier – wie in Deutschland – einen Hund mitfahren sehen. Aber vom Bus aus sind die Straßen gesäumt von Hunden. Meist dösen sie im Schatten, sich auf dem Rücken wälzend. Und träumen davon, von Paraguay aus die ganze Welt zu erobern. Dabei schauen sie entrückt auf die Flugzeuge über sich. Dann treffen sie sich wieder mit „ihrer Gang“ und schmieden Pläne: wie kommen wir auf ein Schiff, einen Flieger? Wieviele braucht man, um mit ein paar Zweibeinern fertig zu werden? Habt ihr schon gehört, in Deutschland sollen Hunde angebunden, gekettet und dressiert werden!? Vamonos, lasst uns die armen deutschen Hunde befreien! Hier kommen die „Herren von Paraguay“!

Hotel Hasenstall

Nach dem Aufenthalt in Ciudad del Este kamen wir zurück nach Villarica. In ein anderes, ein günstigeres Hotel. Allerdings richtig weit vom Terminal entfernt. Mit gemischten Gefühlen schoben wir unsere Koffer – zum Glück mit Räder – quer durch die Stadt. Teils auf der Straße, teils auf den Gehwegen. Oder irgendwo dazwischen. Ständig musste man nach oben oder unten, rechts oder links rumpeln. Der Koffer vibrierte dabei mehrmals gefährlich und die Räder klangen so, als fielen sie gleich ab. Schließlich gegenüber einer Kirche kam das Hotel Asuncion in Sicht. Ein kleines gelbes Hüttchen als Empfang. Schlicht. Keine Rezeption, sondern wir wurden von einem Mädchen ums Haus gebeten. Im Innenhof bearbeitete eine ältere Frau in schwarz gerade eine große Pfanne mit Hackfleisch und gekochten Eiern. Der Jefe erschien. Nach kurzem Buenos tardes und Freundlichkeiten ging es auf die Zimmer im Nebengebäude. Erster Stock. Der sehr engen Flur entlang zum letzten Zimmer. Doppelzimmer. Betten bitte weit auseinander. Die Tür ging auf. Und wir waren im Hasenstall.
Zwischen den Betten etwas Platz, um vorsichtig quer durchzulaufen. Für meinen Koffer schon zu eng. Zwischen Fußende und Wand ebenso. Mühsam quetschte ich meinen Koffer dazwischen. Schrank? Nada! Das hieße: Koffer auf’s Bett, raus was man braucht, Koffer zu, verstauen – zB als Tritt hinüber ins Bett. Durchaus praktikabel – NICHT! Ich war erstaunt, wie verwahrlost das Zimmer ist. Und war gespannt auf das Bad. Da das Zimmer so klein war, ist die Suche schnell erledigt, halbe Drehung nach links. Ich schau durch die Türe und wußte: ich mag hier nicht bleiben. Waschbecken klein, aber ganz ok. Toilette gab es auch. Der Duschkopf direkt über der Toilette! Keine Duschwanne oder Stehfläche. Nada!
Ich fühlte mich wie ein verwöhnter Schnösel und wir liessen alles zurück. Stürzten kommentarlos ins Freie. Erst mal Licht!
Wir hatten beide das gleiche Ziel. Im Eiltempo liefen wir zu unserem alten Hotel. Wir stürmten atemlos die Lobby. Geräumig, kühl, einladen. Darf ich gleich hier schlafen? Am Empfang grüßte schon breit lächelnd unser alter Freund von der Rezeption. 2 Zimmer, noch heute? Die gleichen wie zuletzt? Tatsächlich? Sie sind mein Held!
So schnell wir konnten, holten wir unsere einsamen Koffer aus ihrem dunklen Verlies. Ich streichelte meinen beruhigend und versprach ihm ein besseres Zimmer. Kühl, geräumig und mit Licht. Den Weg zum Hotel Ybytyruzu machte der Koffer fast alleine. Mühelos hüpfte er über Gehsteige, Straßen, Schlaglöcher und Erdreich. Fröhlich wiehernd bäumte er sich vor dem Hotel auf und erklomm die Treppen. Ich kam kaum nach . . . Wir nahmen die Schlüssel in Empfang. 702. MEIN Zimmer. Da, wo ich immer das WLAN für Stunden verliere. Aber es ist hell da, es hat einen Balkon, ein großes Bad, eine Duschkabine und 3 Betten für mich alleine. In welchem schlafe ich heute Nacht? Hmmmm, darüber denke ich im Pool etwas nach.

Platsch!

Itaipu…uuuh

Warum nur erinnert mich dieser Tag so an gestern? Weil er ziemlich gleich startete – Frühstück im Speisesaal mit viel Kaffee und viel Obst. Von den vielen Marmeladesorten hab ich nur Mandarine probiert. Begeisternd!

Der Ritt

Das Wetter startete auch ähnlich, trocken und bewölkt. Schwül! Mit einem flinken Bus fuhren wir vom Zentrum raus zum Empfang. Der Bus ist erwähneswert. Eine etwas klapprige Kiste. Er hielt nur kurz an, wobei die Räder im Millisekundenbereich stillstanden, länger nicht. Wir wollten noch Ziel und Preis abklären, aber der Fahrer gab einmal Gas, der Bus stieg vorne hoch wie ein indianisches Pony und wir lagen irgendwo auf den hinteren Sitzen. Die Leute grinsten über die Gringos und los ging der Ritt. An den offenen Fenster flatterten lustig die blauen Vorhänge. Irgendwann stieg ein Junge ein, kräftige Statur aber offensichtlich nicht ganz gesund. Was nicht stimmte, kann ich nicht sagen. Aber er knallte eine vergammelte Plastiktasche zwischen seinen Füßen auf den Boden und begann eine vehemente Ansprache an die Fahrgemeinschaft. Heftig gestikulierend stand er sicher frei im Raum, trotz des wilden Ritts. Sein T-Shirt und die Shorts grasgrün als wäre er vom Werder Bremen. Er kam irgendwann zum Ende und schleuderte jedem ein Pappstreifen mit aufgetackerten Kräutern in Plastik auf den Schoß. Ich bekam die Lorbeerblätter. Günther ging leer aus. Bei mir besteht wohl eher noch Aussicht, ein Sternekoch zu werden. So deute ich das. Irgendwann sammelte er das Geld oder die Kräuter ein. Ich gab ihm meine Kräuter, und schon war er weg. Wir auch. Denn wir sahen schon von Ferne das riesengroße Terminal zum Staudamm.

Itaipu

Vorbei an Palmen, Termitenhügel und Guavebäumen ging es zur Eingangshalle. Überall so nette Menschen. Alle lächelten. Und der Boden blitzeblank gebohnert spiegelte die Decke. Wir mussten unsere Ausweise registrieren lassen. Ich bekam ein Prospekt in deutsch. Irgendwie sehe ich immer nicht aus wie ein Paraguayer. 😕
Man schickte uns zuerst freundlich ins Auditorium – ein kleines Kino, piekfein, gut gepflegt und sehr bequem. Es nimmt sicher locker 50 Personen auf. Bestimmt mehr. Wir waren aber höchstens 10. Der Werbefilm war informativ, bild- und tongewaltig und auf spanisch. Aber meine Deutschkenntnisse reichen dafür. Im Groben hab ich verstanden, dass das Kraftwerk das größte weltweit ist, am meisten Strom von allen produziert und auch sonst der Hammer ist. Eine Superlative nach der anderen. Sehen will!
Wir traten wieder ins Freie – boah, stimmt, es hat ja gut 32 Grad 😓. Alle Räume ekelig klimatisiert, bis zum Frostpunkt. Wir werden in einen modernen Bus verfrachtet, der – natürlich – klimatisiert ist. Ich setze mich, vorsichtig den Eiszapfen ausweichend. Günther hat den Fensterplatz, er filmt. Es geht durch grüne Landschaften, an Umspannstationen gigantischen Ausmaßes vorbei zu einer Plattform. Hier herrscht fast schon Ruhe im Vergleich zu den Wasserfällen gestern. Kein brüllendes, schäumendes Wasser. Majestätisch steht der dunkle Damm da, stoisch. Den gewaltigen See dahinter hält er locker zurück. Kein Ächtzen oder Stöhnen. Der Überlauf ist enttäuschenderweiße trocken. Seitlich fließt der Rio Parana geradezu gemächlich in seinem Bett an dem Überlauf vorbei. Ich laufe herum, versuche irgendetwas spektakuläres einzufangen, statt mich einfach diesem Bauwerk zu ergeben. Das darf ich später. Nach wenigen Minuten werde ich wie ein verlorenes Schaf eingefangen und widerwillig in den Bus geschoben. Gerade als es mir Spaß zu machen begann. 🚎😧
Der Bus rollte leise aber wackelnd den gesamten Damm unterhalb der Giganto-Turbinen vorbei. Wie riesige Häcksler sauber aufgereiht, muss da drin ein Höllenlärm herrschen, wenn das Wasser da mit Druck durchjagt. Wir aber sehen nur die riesigen weißen Röhren, die sich gegen das dunkle Mauerwerk abheben. Beeindruckt wechsle ich den Sitzplatz auf die andere Seite und lass das iPhone arbeiten. Klick, klick, klick! Der Bus dreht ab, wir schnauben wieder aufwärts auf die Krone und queren den
Damm oberhalb. Der schier unendliche See zur rechten, der Damm mit Fluß zur linken. Zum Glück sind wir nicht allzuschnell. Aber ich schaue sehnsüchtig aus dem Fenster. So gerne wäre ich hier gelaufen. Ich hauche gegen die Scheibe und mal ein Wellensymbol . . .
Zurück am Besucherzentrum genehmigen wir uns erst mal ne Coke und ich eine Empanada mit Mais. Pause, alles setzen lassen. Der Staudamm ist sehenswert, keine Frage. Aber er hat mehr Zeit und Intimität mir mir als Besucher verdient. Das ging alles sehr sehr schnell und aus großer Distanz oder durch fahrende Fenster. Etwas schade.

Modelo

Es tröpfelt. Achja, der Tag soll ja sein wie gestern. Da fing es auch gegen 13 Uhr an. Also alles ok. Wir erfahren, dass es irgendwo in der Nähe ein Modell des Staudamms gibt und noch ein Museum des Landes Guaraní. Wir stapfen los. Zurück auf die große mehrspurige Straße entlang einer teils überschwemmten roten erdigen Straße. Unterwegs sehe ich einen toten großen Hund auf dem Rücken liegend neben einem kleinen Schrein, verschmutzt und mit einem Kerzchen samt Kreuz. Ein Guavebaum, auf dem noch alles grün ist. LKW nach LKW rauscht vorbei und wirbelt Staub auf. Wir kommen zum Eingang des Modelo im Besitz der ITAIPU Binacional und werden hereingebeten. 3 nette Frauen mit roten T-Shirts essen gerade eine Pizza, widmen sich aber uns und registrieren unsere Ausweise. Safety first. Wir dürfen rein. Dort werden wir an einem Gebäude aus Glas von einer sehr freundlichen Dame mit rotem T-Shirt aufgefordert, ihr zu folgen. Sie ist ausgesprochen freundlich, und versucht auch, den Deutschen – mich – mit ins Boot zu holen. Ich lausche aufmerksam und finde sie sehr nett, unsere Laura. Sie läßt sich mit uns knipsen, macht ein paar Fotos von uns mit meinem iPhone (ich lass es einrahmen) und beantwortet alle meine Fragen so, dass ich sie sogar in spanisch verstehe. Applaus!

Museo

Der Regen zeigt nun, wo’s langgeht. Schluß mit lustig! Wir eilen hinaus zum nahegelegenen Museum. Das ist nur 200 Meter entfernt. Wir treffen durchnäßt in einem kleinen Empfangshäuschen ein. Diesmal 2 Männer. Und unsere Ausweise – natürlich. Dann werden wir um’s Gebäude geschickt, denn hier ist Baustelle. Wir folgen einem langen überdachten Gehweg bis zur Verwaltung. Ab da muss sich der Besucher wieder den Naturgewalten aussetzen. Verwaltungsbesucher bleiben trocken. Wir nass, denn wir werden jetzt zugeschüttet. Wir gehen durch die dunkle Glastüre und werden von lachenden Frauen empfangen, die sich über uns amüsieren. Der Raum ist extrem runtergekühlt. Unsere Ausweise werden wieder registriert. Wir wissen wo ihr seid! Das nasse T-Shirt und die nasse Hose fühlen sich in der kalten Luft gar nicht gut an. Ich versuche mich auf die Ausstellung des Museo de Itaipu Tierra Guaraní zu konzentrieren. Szene aus dem Leben der Urindianer werden hier dargestellt. Alles in schummrigen Licht. Man hat sich gar nicht erst die Mühe gemacht, das Schaufensterpuppenimage zu übertünchen. Aber die Szenen sagen aus, wie man sich damals Nahrung beschaffte und wie die Missionare das Glück in schwarz hüllten. Und wie die Moderne kam. Und wie man jetzt versucht, das alte und die Natur zu bewahren. Hier wird Verantwortung demonstriert. Ich bin Fremder, und kann das nicht beurteilen. Aber es ist hier trocken und interessant. Und verdammt kalt! Letzteres treibt uns wieder raus ins Freie.

Kawumm

Irgendwann meint Günther, es regnet jetzt nicht mehr so dolle, wir können los. Erst versuche ich zu argumentieren. Denn ich trau der Sache nicht. Mag aber hier auch nicht rumhocken. Also willige ich ein und wir marschieren los. So richtig erwischt es uns diesmal nicht mehr. Wir sind dem Regen entkommen. Im Hotel angekommen verschwinde ich nach dem ersten Trocknen ins Bad. Auf einmal – KAWUMM!!!!! – läßt es ein Riesenschlag! Kein Echo! Unmittelbar hier muss ein Blitz reingefahren sein. Ich flitze raus und suche Günther. Der steht am Geländer, elektrisiert. Er wurde Zeuge des Blitzes – rot soll er gewesen sein.
Genug für heute. Der einzige, der sich heute Abend noch aufregen darf, ist mein Magen. Falls er heute die Riesenportion schafft, der Arme. . .