Take the long way home

Von Anfang an begegneten sie uns überall. Während sie in Deutschland brav am Flughafen, Bahnhof oder vor dem Hotel warten, machen sie ab Paraguay Jagd auf dich – die Taxis.
Kaum bist du aus dem Flieger, erwischen sie dich, noch bevor du deinen Koffer hast. „Taxi, Taxi!“ schallt es von allen Seiten. Billige Ausreden wie: „Otra dia!“ lassen sie nicht gelten.
Oder auf der Straße – da wirst du von ihnen beinahe überfahren, so jagen sie dich! Du kannst dich verkleiden, so gut du willst. Sie finden und erkennen dich. Und fahren dich über den Haufen, wenn du nicht sofort einsteigst. In Paraguay sind sie ja noch gut getarnt, kaum zu unterscheiden von den anderen Fahrzeugen. War es in Peru schon etwas besser – die Taxis hatte etwas deutlichere Schilder und hupen dich an – konnte man sie in Argentinien schon zweifelsfrei erkennen. Sie sind schwarz, haben ein grünes Dach und sogar ein Lichtsignal an der Frontscheibe: LIBRE in grün für ein freies Taxi.
Genau so eines suchten wir, nachdem wir aus dem Hotel in Buenos Aires ausgecheckt hatten. Normal kein Problem, machen die doch fast 50% des Straßenverkehrs aus. Einfach an den Straßenrand stellen . . . und wenn so ein Gefährt in Sicht kommt, winken. Also ganz einfach. Nur – es war kaum eines zu sehen. Standen wir ungünstig? Die paar Taxis, die wir sahen, waren alle besetzt. Gekonnt fuhren sie an uns vorbei. Wir winkten, wedelten, sprangen auf die Fahrbahn. Keine Chance: die Straße hatte gut 4 Spuren und sie fuhren einfach in der Mitte.
Endlich hielt einer an und marschierte an uns vorbei. Wir wagten ihn anzusprechen, weil wir doch dringend zum Flughafen wollten. Nein, desculpa, ich muss hier nur mal auf Toilette! Weg war er . . . Gibt’s das? Dann wieder ein. Wir rissen schon die Türen auf. „Kann man bei ihnen auch mit Kreditkarte zahlen?“ – „Pesos“ – „oder mit Dollars?“ – „Pesos!!!“. Für die paar lausigen Pesos die wir noch hatten, hätte er uns spätestens auf der Mitte der Avenida rausgeschmissen. Also nix! Schon braust er davon.
Es dauert eine ganze Weile, bis endlich wieder einer hält. Wir fragen ganz vorsichtig . . . Dollars? „Siiiiii“ – wir trauen unseren Ohren kaum und verstauen die Koffer schnell und werfen uns ins Fahrzeug. Schnurstracks geht es raus zum Flughafen unten am Meer, das platt und ruhig da liegt, als wäre es die Rollbahn. Wir bezahlen tatsächlich in Dollar und bekommen jede Menge Pesos raus. Soviel, dass wir damit wieder in die Stadt fahren könnten. Zu spät, denn jetzt müssen wir auf den Flieger Richtung Heimat.

Aeroparque

Hm, um genau zu sein, erst mal nach Cordoba. Das liegt auch in Argentinien. Dort haben wir dann 3 Stunden Layover, also Zeit, auf den Anschlussflug zu warten. Wir überlegen, was wir in den 3 Stunden machen, während unsere Koffer schon auf dem Band verschwinden. Erst mal müssen wir aber hier warten. Und warten. Wir warten schon lange. Viel zu lange. Am Gate treibt sich Personal rum, die aber ungern Auskunft geben. „Bitte bleiben sie sitzen. Sie werden aufgerufen!“.
Das Flugzeug sollte schon 10 Minuten in der Luft sein. Da ist es schwer, einfach zu warten, bis man aufgerufen wird. Ständig kontrollieren wir die Anzeigetafeln: Gate 11. Und an Gate 11 steht BUENOS AIRES – ON TIME. Nur dass die Time schon abgelaufen war.
Wir reden uns mehrfach ein, dass schon alles ok ist. Was nicht stimmt. Die Uhr läßt uns die 3 Stunden Wartezeit in Cordoba schmelzen. Ok, 2 Stunden genügen auch noch. Hm, 1,5 Stunden werden knapp. Endlich läßt man uns an Bord! Wir schnallen uns an und signalisieren unsere Bereitschaft, sofort abzuheben – schliesslich wollen wir in Cordoba ja mindest einen Kaffee trinken. Die Pesos hätten wir ja.
Aber dann wird das Flugzeug erst mal betankt. Ja, so ein Abflug kommt eben immer etwas überraschend. 😉
Als wir schliesslich mit 1,5 Stunden Verspätung abfliegen, entspannen wir uns langsam. Es gibt einen leckeren Rotwein an Bord und ich schlummere sanft vor mich hin.

Cordoba

Schon landen wir in einem kleinen – einem sehr kleinen – Flughafen. Flugplatz wäre ungerecht, dazu ist er doch etwas zu groß. Das Innere der Halle überrascht mich – leer, sauber und aufgeräumt. Schnell gugg ich auf meiner App, ob wir nicht versehentlich in der Schweiz gelandet sind . . . nein, es ist definitiv Cordoba. Das Cordoba in Argentinien. Irgendetwas stimmt hier nicht. Aber wir freuen uns über diesen Flughafen und gehen direkt zum Kaffee über. 3 Stunden wären hier bestimmt nett gewesen. Von der Kaffeebar aus sehe ich, wie ein Mädchen Ausdruckstänze zu Klaviermusik vorführt, während sie von 2 Leuten gefilmt wird. Nett!
Der Kaffee ist flughafentypisch so teuer, dass die Pesos fast wieder weg sind. Auch gut! Das kann mich schon mal nicht mehr belasten. Die Pause hat gut getan und ist auch schnell vorbei. Ein bisschen Internet hat die Zeit schnell überbrückt. Ruckzuck sitzen wir im Flugzeug Richtung Heimat. Richtung – nicht nach Hause! Richtung heißt, nach Brasilien, São Paulo. Dort Zwischenstopp von fast 2 Stunden. Und diesmal sind wir richtig pünktlich. Naja, bei dem ordentlichen Flughafen nicht anders zu erwarten.

São Paulo

Auf dem Flug nach Brasilien passiert nichts späktakuläres. Unten die Landschaft, oben der Himmel. Dazwischen wir, lesend, trinkend, schlummernd oder aus dem Fenster starrend. Südamerika zieht vorrüber, als zöge jemand die Landkarte unter mir weg. Adios ihr Anden, adios ihr Mango, Papaya, Guave und Alpaka. Es keimt Freude auf zuhause auf.
Der Flughafen in São Paulo ist so riesig, dass die Zeit exakt reicht, um rechtzeitig zum Boarding am Gate zu sein. Das Warten findet im Stehen statt. Eine riesige Boing wartet auf uns und entsprechend auch der Andrang. Irgendwann sitzen wir eingekeilt in der mittleren Viererreihe in den beiden Mittelsitzen. Ein Traum! Nicht!
Kurzer Check mit dem iPad – ich kann hier definitiv das Ding nicht aufbauen: Ablage zu kurz, Schreibposition erlaubt kein Ausklappen der Ellbogen. iPad ist gestrichen. Dafür wartet vor mir ein Display mit Spielen auf mich. An Bord gibt es auch noch ein Abendessen und später ein Frühstück. Dazwischen versuch ich zu schlafen. Günther tauscht mit seinem Nebensitzer aus logistischen Gründen der Platz und ich sitze wach neben 2 Siebenschläfern. Wie machen die das?
Irgendwann kippe ich nach vorne und lege meine Stirn auf den Vordersitz ab. Und schlafe ein! Sofort! Eine neue Position entdeckt. Genial. Allerdings nix für dauerhaft. Trotzdem gelingt es mir, hier und da zu schlafen und ein gewisses Pensum zu erreichen. 12 Stunden geht das so. Und ich muss nicht auf Toilette. Darüber triumphiere ich noch, als wir schon zum Sinkflug ansetzen. Die Anschnallzeichen leuchten auf, Toiletten sind tabu. Da rumpelt es in mir. Und ich schaff es nicht bis zur Landung. Definitiv. Ich stolpere hinter zum freundlichen Steward und bekomme die Erlaubnis zu tun, was ich tun muss. Allerdings ist schon alles abgeschaltet und verräumt. Reden wir nicht darüber. Die Gesundheit geht vor.

Steward

Übrigens der Steward. Der war der Knaller. Ein etwa 40jähriger Brasilianer, vor ein paar Tagen das letzte Mal rasiert. Groß, kräftig und immer zu Scherzen aufgelegt. Für jeden hatte er einen Spruch parat und wechselte ein paar nette Worte. Vorzugsweise in dessen Sprache, wenn er sie rausbekommen hatte. Irgendwo saß ein Russe und er hatte ein paar Brocken für den. Für den Inder hinter mir auch. Mich nahm er auch auf die Schippe und ich freute mich über so viel Aufmerksamkeit. Bitte liebe Fluggesellschaften: nur noch solche Leute und schickt die bei dem in die Schule!

Frankfurt

Hey, das war schon der letzte Flug. Über einen Tunnel geht es in die Verliese des Frankfurter Flughafens. Schon wieder interessiert sich jemand für meinen Pass. Für mein Gepäck. Das zieht sich wie Kaugummi. Hunderte von Fingerabdrücken zieren wahrscheinlich schon den Ausweis. Endlich, endlich bekomme ich meinen Koffer wieder. Aber oh weh, in welchem Zustand. Das Rad ist wieder ab. Aber diesmal endgültig. Keiner hat es mit auf’s Band gelegt oder an den Koffer geklebt. Ein Glück sind wir schon fast daheim.
Ich eiere mit dem Dreirad nach draußen zum Fernbahnhof, der glücklicherweise im selben Gebäude liegt. Über die Bahnfahrt gibt es nicht viel zu schreiben – ja, wir mussten auch hier 2 mal umsteigen: in Heidelberg vom ICE auf die S-Bahn und in Mannheim auf eine andere S-Bahn. Die Landschaft draußen wurde vertrauter und schliesslich kam wir sogar in Aglasterhausen an. Der vetraute Geruch ländlicher Luft, sanfte grüne Hügel und Menschen zu sehen, auf die man sich freut. Zuhause!

Opti-Misti-sch

Bei der Anfahrt hatten wir ihn kurz für wenige Minuten nur gesehen. Blinzelnd gegen das aufsteigende Sonnenlicht. Und wußten doch nicht, dass er es war. Danach blieb er ein Mythos. Misti, der Haus- und Hofvulkan von Arequipa. Der Vulkan, der hier verehrt wird. Er ist mit 5822 Metern der kleine Bruder von Chachani – 6025 Meter – und der große von Pichu Pichu, 5664 Meter. So weit ganz nett, was man da so liest. Aber wo ist er? Bei einer Besichtigungstour gelangen wir auf eine Aussichtsplattform mit Panoramablick auf den Misti. Da sehen wir aber nur Wolken, grau und weiß. Egal wie angestrengt ich schaue – kein Berg zu erkennen.
Eines Morgens auf dem Plaza de las Armas erblicke ich ihn hinter der Basilica Catedral de Arequipa. Aber leider nicht so richtig klar. Und dann ist da der mächtige Bau im Weg. Wir suchen die ungefähre Richtung und entdecken, dass die eine Straße an Santa Catalina vorbei ungefähr auf die Vulkane zeigen sollte. Also laufen wir diese entlang, den Blick immer leicht nach oben durch das Gewusel. Ich setze mich auf einen Pflanztrog und achte nicht mal auf die Blumen. Ich bin optimistisch . . . gleich wird er sich zeigen – der Misti! Die Wolken bewegen sich schnell, schemenhaft ist da doch etwas zu erkennen. oder? Hmmmm. Irgendwie erkenn ich da etwas dunkles hinter den Wolken. Das könnte er sein, der mistische Berg. Oder auch nicht!? 🤔🗻🌋 Wir werden es nie erfahren. Vielleicht haben wir sogar in die falsche Richtung geschaut und der Vulkan hat uns von der Seite angegrinst.
Googlesuche, du bleibst meine letzte Hoffnung vorerst. Hasta la vista, oder überhaupt mal vista, Misti.

Itaipu…uuuh

Warum nur erinnert mich dieser Tag so an gestern? Weil er ziemlich gleich startete – Frühstück im Speisesaal mit viel Kaffee und viel Obst. Von den vielen Marmeladesorten hab ich nur Mandarine probiert. Begeisternd!

Der Ritt

Das Wetter startete auch ähnlich, trocken und bewölkt. Schwül! Mit einem flinken Bus fuhren wir vom Zentrum raus zum Empfang. Der Bus ist erwähneswert. Eine etwas klapprige Kiste. Er hielt nur kurz an, wobei die Räder im Millisekundenbereich stillstanden, länger nicht. Wir wollten noch Ziel und Preis abklären, aber der Fahrer gab einmal Gas, der Bus stieg vorne hoch wie ein indianisches Pony und wir lagen irgendwo auf den hinteren Sitzen. Die Leute grinsten über die Gringos und los ging der Ritt. An den offenen Fenster flatterten lustig die blauen Vorhänge. Irgendwann stieg ein Junge ein, kräftige Statur aber offensichtlich nicht ganz gesund. Was nicht stimmte, kann ich nicht sagen. Aber er knallte eine vergammelte Plastiktasche zwischen seinen Füßen auf den Boden und begann eine vehemente Ansprache an die Fahrgemeinschaft. Heftig gestikulierend stand er sicher frei im Raum, trotz des wilden Ritts. Sein T-Shirt und die Shorts grasgrün als wäre er vom Werder Bremen. Er kam irgendwann zum Ende und schleuderte jedem ein Pappstreifen mit aufgetackerten Kräutern in Plastik auf den Schoß. Ich bekam die Lorbeerblätter. Günther ging leer aus. Bei mir besteht wohl eher noch Aussicht, ein Sternekoch zu werden. So deute ich das. Irgendwann sammelte er das Geld oder die Kräuter ein. Ich gab ihm meine Kräuter, und schon war er weg. Wir auch. Denn wir sahen schon von Ferne das riesengroße Terminal zum Staudamm.

Itaipu

Vorbei an Palmen, Termitenhügel und Guavebäumen ging es zur Eingangshalle. Überall so nette Menschen. Alle lächelten. Und der Boden blitzeblank gebohnert spiegelte die Decke. Wir mussten unsere Ausweise registrieren lassen. Ich bekam ein Prospekt in deutsch. Irgendwie sehe ich immer nicht aus wie ein Paraguayer. 😕
Man schickte uns zuerst freundlich ins Auditorium – ein kleines Kino, piekfein, gut gepflegt und sehr bequem. Es nimmt sicher locker 50 Personen auf. Bestimmt mehr. Wir waren aber höchstens 10. Der Werbefilm war informativ, bild- und tongewaltig und auf spanisch. Aber meine Deutschkenntnisse reichen dafür. Im Groben hab ich verstanden, dass das Kraftwerk das größte weltweit ist, am meisten Strom von allen produziert und auch sonst der Hammer ist. Eine Superlative nach der anderen. Sehen will!
Wir traten wieder ins Freie – boah, stimmt, es hat ja gut 32 Grad 😓. Alle Räume ekelig klimatisiert, bis zum Frostpunkt. Wir werden in einen modernen Bus verfrachtet, der – natürlich – klimatisiert ist. Ich setze mich, vorsichtig den Eiszapfen ausweichend. Günther hat den Fensterplatz, er filmt. Es geht durch grüne Landschaften, an Umspannstationen gigantischen Ausmaßes vorbei zu einer Plattform. Hier herrscht fast schon Ruhe im Vergleich zu den Wasserfällen gestern. Kein brüllendes, schäumendes Wasser. Majestätisch steht der dunkle Damm da, stoisch. Den gewaltigen See dahinter hält er locker zurück. Kein Ächtzen oder Stöhnen. Der Überlauf ist enttäuschenderweiße trocken. Seitlich fließt der Rio Parana geradezu gemächlich in seinem Bett an dem Überlauf vorbei. Ich laufe herum, versuche irgendetwas spektakuläres einzufangen, statt mich einfach diesem Bauwerk zu ergeben. Das darf ich später. Nach wenigen Minuten werde ich wie ein verlorenes Schaf eingefangen und widerwillig in den Bus geschoben. Gerade als es mir Spaß zu machen begann. 🚎😧
Der Bus rollte leise aber wackelnd den gesamten Damm unterhalb der Giganto-Turbinen vorbei. Wie riesige Häcksler sauber aufgereiht, muss da drin ein Höllenlärm herrschen, wenn das Wasser da mit Druck durchjagt. Wir aber sehen nur die riesigen weißen Röhren, die sich gegen das dunkle Mauerwerk abheben. Beeindruckt wechsle ich den Sitzplatz auf die andere Seite und lass das iPhone arbeiten. Klick, klick, klick! Der Bus dreht ab, wir schnauben wieder aufwärts auf die Krone und queren den
Damm oberhalb. Der schier unendliche See zur rechten, der Damm mit Fluß zur linken. Zum Glück sind wir nicht allzuschnell. Aber ich schaue sehnsüchtig aus dem Fenster. So gerne wäre ich hier gelaufen. Ich hauche gegen die Scheibe und mal ein Wellensymbol . . .
Zurück am Besucherzentrum genehmigen wir uns erst mal ne Coke und ich eine Empanada mit Mais. Pause, alles setzen lassen. Der Staudamm ist sehenswert, keine Frage. Aber er hat mehr Zeit und Intimität mir mir als Besucher verdient. Das ging alles sehr sehr schnell und aus großer Distanz oder durch fahrende Fenster. Etwas schade.

Modelo

Es tröpfelt. Achja, der Tag soll ja sein wie gestern. Da fing es auch gegen 13 Uhr an. Also alles ok. Wir erfahren, dass es irgendwo in der Nähe ein Modell des Staudamms gibt und noch ein Museum des Landes Guaraní. Wir stapfen los. Zurück auf die große mehrspurige Straße entlang einer teils überschwemmten roten erdigen Straße. Unterwegs sehe ich einen toten großen Hund auf dem Rücken liegend neben einem kleinen Schrein, verschmutzt und mit einem Kerzchen samt Kreuz. Ein Guavebaum, auf dem noch alles grün ist. LKW nach LKW rauscht vorbei und wirbelt Staub auf. Wir kommen zum Eingang des Modelo im Besitz der ITAIPU Binacional und werden hereingebeten. 3 nette Frauen mit roten T-Shirts essen gerade eine Pizza, widmen sich aber uns und registrieren unsere Ausweise. Safety first. Wir dürfen rein. Dort werden wir an einem Gebäude aus Glas von einer sehr freundlichen Dame mit rotem T-Shirt aufgefordert, ihr zu folgen. Sie ist ausgesprochen freundlich, und versucht auch, den Deutschen – mich – mit ins Boot zu holen. Ich lausche aufmerksam und finde sie sehr nett, unsere Laura. Sie läßt sich mit uns knipsen, macht ein paar Fotos von uns mit meinem iPhone (ich lass es einrahmen) und beantwortet alle meine Fragen so, dass ich sie sogar in spanisch verstehe. Applaus!

Museo

Der Regen zeigt nun, wo’s langgeht. Schluß mit lustig! Wir eilen hinaus zum nahegelegenen Museum. Das ist nur 200 Meter entfernt. Wir treffen durchnäßt in einem kleinen Empfangshäuschen ein. Diesmal 2 Männer. Und unsere Ausweise – natürlich. Dann werden wir um’s Gebäude geschickt, denn hier ist Baustelle. Wir folgen einem langen überdachten Gehweg bis zur Verwaltung. Ab da muss sich der Besucher wieder den Naturgewalten aussetzen. Verwaltungsbesucher bleiben trocken. Wir nass, denn wir werden jetzt zugeschüttet. Wir gehen durch die dunkle Glastüre und werden von lachenden Frauen empfangen, die sich über uns amüsieren. Der Raum ist extrem runtergekühlt. Unsere Ausweise werden wieder registriert. Wir wissen wo ihr seid! Das nasse T-Shirt und die nasse Hose fühlen sich in der kalten Luft gar nicht gut an. Ich versuche mich auf die Ausstellung des Museo de Itaipu Tierra Guaraní zu konzentrieren. Szene aus dem Leben der Urindianer werden hier dargestellt. Alles in schummrigen Licht. Man hat sich gar nicht erst die Mühe gemacht, das Schaufensterpuppenimage zu übertünchen. Aber die Szenen sagen aus, wie man sich damals Nahrung beschaffte und wie die Missionare das Glück in schwarz hüllten. Und wie die Moderne kam. Und wie man jetzt versucht, das alte und die Natur zu bewahren. Hier wird Verantwortung demonstriert. Ich bin Fremder, und kann das nicht beurteilen. Aber es ist hier trocken und interessant. Und verdammt kalt! Letzteres treibt uns wieder raus ins Freie.

Kawumm

Irgendwann meint Günther, es regnet jetzt nicht mehr so dolle, wir können los. Erst versuche ich zu argumentieren. Denn ich trau der Sache nicht. Mag aber hier auch nicht rumhocken. Also willige ich ein und wir marschieren los. So richtig erwischt es uns diesmal nicht mehr. Wir sind dem Regen entkommen. Im Hotel angekommen verschwinde ich nach dem ersten Trocknen ins Bad. Auf einmal – KAWUMM!!!!! – läßt es ein Riesenschlag! Kein Echo! Unmittelbar hier muss ein Blitz reingefahren sein. Ich flitze raus und suche Günther. Der steht am Geländer, elektrisiert. Er wurde Zeuge des Blitzes – rot soll er gewesen sein.
Genug für heute. Der einzige, der sich heute Abend noch aufregen darf, ist mein Magen. Falls er heute die Riesenportion schafft, der Arme. . .

Der Magen isst mit

Auch in Paraguay gilt: der Magen ißt mit – nicht nur die Augen. Und nicht alles, was lecker aussieht, tut meinem Magen gut. Einschlägige Erfahrungen hab ich hinter mir.
Auf den Märkten werden die Augen nicht immer verwöhnt: Fliegen umschwirren aufgehängtes Fleisch und angeschlagenes Obst. Da schlagen bei mir gleich die Alarmglocken. Schließlich wollen wir in ein paar Tagen weiter und nicht im Bett liegen. Also hält man sich am besten an die Restaurants. Zwischen 20.000 und 60.000 Guaraní (3 bis 10€) bekommt man eine breite Palette.

Danykar

Das erste Restaurant, das wir in Villarica ansteuerten, ist das Danykar, direkt neben einer stark frequentierten Eisdiele. Am quadratischen Plaza de Heroes gelegen, getrennt vom Freigehege durch eine stark befahrene Straße. Motorräder und Autos schleichen hier vorbei auf der Suche nach einem Parkplatz, um sich zum Beispiel am anschließenden Eiscafé ein Eis zu holen. Hm, der Name Plaza de Heroes – Platz der Helden – klingt verdächtig. Muss ein Held sein, wer hier freiwillig ist? Wir fühlen uns angesprochen.
Wir nehmen an einem der zahlreichen Plastiktische Platz, die mit roten Stoffdecken bedeckt sind. Rote oder weiße stapelbare Campingstühle sind hier sauber angeordnet. Die Bedienung entdeckt uns und reicht uns verbindlich lächelnd Menükarten. Wir fragen uns durch die Biersorten, bevor wir uns den speckigen Lederhüllen zuwenden. Einheimisches Bier gibt es nicht – so fällt die Wahl auf Millers.
Während er wieder über die Straße schlurft, schauen wir in die Karten – das bunte Menü wurde laminiert, ist nur noch schwer lesbar. Links die Pizzen, rechts verschiedenste Gerichte. Übersichtlich – so mag ich das. Ich nutze die Gunst der Stunde und entscheide mich für etwas mit den Wörtern bife und lomito im langen Namen. Vielleicht bekomme ich das berühmte südamerikanische Rind gleich hier. Und so ist es.
Aber zuvor kommt der Kellner anmarschiert. Einen Sektkübel, eine Literflasche Millers und 2 Gläser im Schlepptau. Ich staune. Der goldfarbene Kübel ist mit Eis gefüllt, die Bierflasche wird darin versenkt und dann entkront. Bier hat hier einen anderen Stellenwert als in Deutschland, meint Günther. Ich merk’s!
Durch die Kälte fehlt dem Bier etwas Geschmack, aber die erfrischende Wirkung kommt mir bei der hohen Temperatur auch nach Sonnenuntergang sehr entgegen.
Beim sehr leckeren Essen mit Rindersteaks, Pommes ala rustico und Salat habe ich immer wieder das Gefühl, mich piesacken Moskitos. Füße und Schienbeine jucken. Ohne viel nachzudenken kratze ich mich. Nicht ohne Wirkung. Nach dem Essen nehme ich außer dem Brennen und Jucken kaum noch was wahr.
Im Hotelzimmer betrachte ich das Werk der Moskitos bei Licht, während ich den Mückenspray aus der Tasche fische. Nur sehe ich keine Mückenstiche, sondern knallrote kleine rote und weiße Hügelchen, dicht an dicht, wo vorher zarte Haut war. Ich kühle es runter, bis am Wasserhahn nur noch heißes Wasser kommt. Erst am nächsten Tag kommt Erleichterung durch Creme aus der Farmacia. Uff! Das erste Restaurant hat sich eingeprägt…

Als nächstes Stelle ich euch Tio Rubio vor – der blonde Onkel. Nein, nicht der aus den USA 🇺🇸…

Tio Rubio

Unmittelbar nach dieser berühmten Kurve von Villarica wird die Straße breit, gabelt sich. Pfützen auf dem Fußweg, an dem ein großer Schmetterling sich labt. Sein kleiner gelber Kollege kommt angedüst wie ein Kampfjet, trifft den großen, der sich schwankend in Bewegung setzt. Nun gehört dem kleinen gelben die Pfütze. Schlau!
Das war aber noch nicht der blonde Onkel, der Tio Rubio. Der kommt gleich dahinter. Eine niedrige weiße Mauer trennt den geräumigen Hof von der Straße. Auf ihr trohnt ein weißer Zaun. Riesenhafte Bäume beherrschen das Gelände – Palmen, Chivacho, Mango. Hier im durchgehend schattigen Bereich sind viele Tische und Stühle aufgebaut. Die Klassiker hier: stapelbar, einfach, von Coca Cola. Wir setzen uns nahe einem der vielen Bögen, die das Gebäude nach außen markieren. Hinter den ersten beiden befindet sich dann ein großer Platz mit dem Pizzaofen. Hier schuften 2 junge Kerle in der Hitze, die Bedienung lümmelt an einem Pfosten. Auf einer verratzten Couch spielt ein Junge mit dem Smartphone. Die ganze Ecke ist sehr dunkel und ich frag mich, ob hier die Pizzen blind gebacken werden. Ich bin gespannt.
Der obligatorische Eiskübel mit dem Bier steht nun schon auf dem Tisch und kühlt mich runter. Da kommen schon die Pizzen – meine sieht lecker aus und schmeckt sehr reichhaltig. Es ist ordentlich Belag drauf und der Teig ist fluffig. So mag ich Pizza. Obwohl ich die kleinste nehme – chico – bin ich satt. In dem Zustand schau ich mich um und betrachte den Laden genauer. Die Pizzeria war bestimmt mal hübsch. Aber es wurde schon lange nichts mehr gemacht. Farbe blättert ab, Leuchter hängen unterschiedlich schief an der weißen Wand. Lustig blinkt die Lichterkette, die das Ambiente empfindlich stört. Sie wurde wahrscheinlich für Weihnachten angebracht. Und das ist eh bald wieder . . . hängelassen! Dennoch, mir hat’s hier echt gefallen und würde auch gerne wieder hierher gehen.
Nach dem Schmaus geht es in der Dunkelheit zurück. Es ist Grillsaison – aus dem Rasen, dem Gebüsch, den Bäumen, von überall her schrubben die Grillen und Zikaden mit ihren Beinchen um die Wette. Das scheint der südamerikanische Grand Prix de la Chanson der Insekten zu sein. Alle paar Meter ein völlig anderer Sound. Ich bin so fasziniert, dass ich die Zeit vergesse…

Sinking in the rain

Der tropische Regen scheint nur zwei Status zu kennen – an oder aus. Es begann als Weckton am frühen Morgen. Dieses Trommeln gegen das Blechdach, das immer lauter anschwoll zu einem nicht überhörbaren Lärm, einem Brüllen. Bis mein Verstand realisierte, was da los ist, war alles zu spät. Der Himmel nicht mehr vorhanden, auch keine Nachbarschaft mehr. Nur noch das, was unmittelbar vor der Nase zu sehen ist – Regen. Viel Regen. Sehr, sehr viel Regen. Der faucht am Balkon vor dem Zimmer wütend vorbei, als jage er der Sonne hinterher, die hier noch gestern fröhlich gespielt hatte.
Der Blick hinüber ins Restaurant, hinüber ins warme Licht, das Kaffee, Obst und Brot verheißt, wird immer sehnsüchtiger. Es scheint aussichtslos, auf die andere Seite zu gelangen. Der Hof, obwohl nur wenige Meter breit, steht unter Wasser. Das könnte man schaffen. Aber . . . der Regen! Es schüttet dermaßen, dass man nicht nur etwas nass wird auf der kurzen Distanz, man müsste gleich wieder umdrehen und sich umziehen. Ein Teufelskreis! Günther und ich stehen an unseren Türen wie zwei Hunde, die den Braten zwar riechen . . . ihr wißt schon.
Anfangs scherzen wir noch, sind uns sicher, das dauert nicht lange. Der Wetterbericht sagt: bis 9. Wir packen unsere Kameras aus, filmen und fotografieren das lustige Spektakel. Schicken es an Freunde und Familie. Das ist irgendwann ausgereizt. Der Blick wandert rüber zum Speiseraum.
Irgendwann lässt der Regen auf einmal nach. Wir wittern unsere Chance. Beim Kaffee beschliessen wir, den geplanten Besuch zu wagen. Wir sind nämlich zum Frühstück eingeladen. Allerdings ein paar quadras entfernt. Wir müssen nur vor bis zum Busterminal, von da ist es gaaar nicht mehr weit. Das sollten wir in 7 Minuten schaffen . . .
Ich packe mein Minihandtuch ein. Und wir flitzen los! Halten uns immer unter den fast durchgehend vorhanden Schutz der Shopdächer, Markisen. Dann urplötzlich am Busterminal bricht es wieder los. Der Hausmeister von Villarica fegt mit einem Riesenschwall Wasser durch seine Stadt. Ruckzuck wird aus der Straße ein Fluss und die Lücken zwischen den Gehsteigabschnitten zu unserer Falle. Das Wasser bricht hier zwischen den Häusern auf die Straße. Dem Tod trotzend schlagen wir uns dennoch bis fast vor das Haus durch – inzwischen klitschnass. Mein kleines Handtuch hilft mir wenigstens, mein Gesicht und die Lockenpracht zu trocknen. Unser Blick fällt auf die riesige Mauer und das verschlossene Tor. Auf den letzten 10 Meter und vor dem Tor kein schützendes Dach, kein trockener Fleck. Entweder wir warten hier, bis der Regen aufhört oder wir schreiten zum Tor, klopfen, hoffen dass wir gehört werden . . .
Wir wagen es. Klopf, klopf, dröhnt der Regen auf den Schädel und Günther gegen das Tor. Nichts. Das TShirt ist durch. Die Hose von unten bis zum Knie komplett aufgeweicht. Der Rest ganz ok. Was tun? Da drüben ist ein Shop. Vielleicht hat sie ein Telefon . . . und weiß die Nummer!? Wir fragen. No! Sie will uns helfen, aber no way. Günther rennt noch mal rüber . . . hämmert mehrfach gegen das Tor. Dann Rufe von innen, das Tor geht auf . . . wir werden ausgelacht. Zu Recht!
Ach übrigens . . . nach nur 10 Stunden war der Spuk vorüber. Die Sonne kam raus, fröhlich pfeifend. Die Straßen waren eine Stunde später wieder trocken und sah fast aus, als wäre nichts gewesen. Nur irgendwie wirkte alles etwas sauberer . . .

Chipa, Chipa

Wir trafen am Busterminal am späten Vormittag ein. Hier herrschte reges Getriebe, denn von hier aus starten Busse in alle Himmelsrichtungen: Argentinien, Bolivien, Uruguay, Brasilien und verschiedene Regionen Paraguays. Dazu werben riesige Schilder einzelner Gesellschaften über ihren Ticketshops, aufgereiht über die komplette Breite des Terminals. Wir fanden unsere Gesellschaft GUAIRENA, die uns nach Villarica bringen würde. Nach etwas Diskussion fanden wir eine günstige Fahrt, die 13:30 starten sollte.
Es waren noch 2 Stunden bis dorthin. Wir nahmen also auf der schattigen Terrasse direkt vor den Shops Platz und genossen die Aussicht auf die Umtriebe vor dem Terminal: Menschen, die sich im Schatten ihrem Terere widmeten, dösten. Eine Katze räkelte sich neben einem Polizisten, der gelangweilt seine Trillerpfeife herumwirbeln liess. Taxifahrer unterhielten sich angeregt, während weiter hinten unter einem wuchtigen Baum Händler versuchten, ihre Waren an den Mann zu bringen. Einer von ihnen liess Musik laut aus den Boxen scheppern. Nordamerikanische Musik leider…
Schließlich gegen 12:30 wuchteten wir unsere Koffer eine Etage tiefer. Es war dunkel da unten und proppenvoll. Shops entlang den Wänden, sodass keine Wand zu sehen war. Jeder Zentimeter ist Verkaufsfläche. Der übliche Tand . . . Direkt am Ausgang zu den Bussen – unser sollte an den Plataforma 19 – 24 abfahren – lungerten Menschen auf Sitzgelegenheiten ähnlich den Gates am Flughafen. Ca. 20 Reihen in knallorange standen da. Darauf Menschen unterschiedlichster Couleur: eindeutig indianische, klein, lederhäutig, schwarzes strähniges Haar. In verschmutzten TShirts warteten sie genauso wie das Mädchen, das in WhatsApp vertieft mit ihren langen Zöpfen spielte. Die Jeans durchlöchert, durchgestylt. Plötzlich zieht sie eins ihrer Schuhe aus und schlägt ihren Bruder damit. Gegenüber ein Pärchen, das europäisch aussieht. Sie beginnt ihr Kind zu stillen. Vor mir macht sich eine junge Frau in Casualklamotten an einer Handyladestation zu schaffen. Die nimmt das Kleingeld nicht an. Sie trottet weiter. Inzwischen werden an 2 Stellen neben den Sitzen Berge von Chipa aufgebaut – Gebäck aus Maismehl, das hier in Massen hergestellt und verkauft wird. Ich kaufe mir eines mittlerer Größe etwas zu teuer und beginne neugierig zu kauen. Unerwartet schmeckt es nach Fenchel und Anis, ist außen krustig mehlig, innen aber leicht feucht. Lecker! Ich packe den größten Teil wieder weg, denn wir sollten langsam Richtung Bus.
Der kommt auch schon wenige Minuten später. Der Gehilfe des Fahrers beklebt unser Gepäck mit einer Zahlenkombination, gibt uns den kleineren Abschnitt des Aufklebers als Nachweis für die Abholung. Dann verstaut er es und wir gehen auf unsere reservierten Plätze. Fast pünktlich geht ein Vibrieren durch den Bus, die Maschine brummt erwartungsvoll, wir setzen zurück. Der Bus ist mehr als halbvoll, als wir aus dem Terminal in die Stadt zurückfahren.
In Asuncion geht es sehr schleppend voran. Schon ein paar Meter in die „falsche“ Richtung, hält er an. Ein Ehepaar entnimmt dem Verschlag unter den Sitzen ein Paket, gibt dem Beifahrer im Gegenzug Waren. Einsteigen, weiter! Immer wieder halten wir, Leute steigen ein. Wir irren scheinbar ziellos durch die Stadt und suchen Leute, die mitfahren wollen. Der Gehilfe beginnt, die stehenden Fahrgäste nach hinten zu drängen. Sieht so aus, als kommen noch mehr. Irgendwann erreichen wir die Randbezirke und nehmen noch mehr Gäste auf. Die könnten kaum unterschiedlicher sein. So sitzt oder steht im Bus eine illustre Reisegruppe, während draußen sich das Bild zusehend ändert – raus aus der Stadt ist immer mehr üppiges Grün zu sehen, direkt am Straßenrand bis weit ins Landesinnere. Bäume, Sträucher, Gräser. Erinnert an Deutschland, es ist nur eine andere Flora. Mehr und mehr auch Tiere – ein Schaf, Kühe, Pferde. Die Kühe stehen extrem nahe am Straßenrand.
Es ändern sich auch die Haltestellen, die so gar nicht deutschem Standard entsprechen und auch nicht so gekennzeichnet sind. Anfangs standen da sehr viele Menschen, oder saßen, lagen. Das übliche Kännchen mit eisgekühltem Wasser, die Bombilla in der anderen Hand. Vertieft in das Handy oder dem Gespräch mit einem anderen. Wild gestikulierend bringen sie den Bus zum Halten. Der dampft und brüllt ein paar Mal und nimmt neue Gäste auf. Weiter aufs Land raus werden die Haltestellen idyllischer – in der üppigen Vegetation geht es manchmal kurz von der Ruta runter auf die typische rote Erde, den sandigen Boden. Die Haltebucht befindet sich meist in einer Gruppe heimischer Bäume, die nicht angelegt wirken. An einer Stelle liefert eine Mutter ihren Sohn ab und läuft winkend ans Auto zurück.
Wir kommen an vielen Höfen und kleinen Häuschen vorbei. Um diese Zeit und bei der Hitze sitzen alle irgendwo im Schatten. Meist als kleines Grüppchen. Trinken, Schwatzen. Einer liegt in der Hängematte und schaukelt gemütlich. Alles strahlt eine Ruhe aus, während wir durch die Landschaft jagen. Es kommen einige größere Hütten in Sicht. Etwas wie ein Restaurant. 2 Mädchen steigen zu. Die eine hat einen riesengroßen Korb auf die Schulter gewuchtet. Dieser ist bedeckt von einem hellblauen Tuch mit Stickereien, schön verziert. Sie piepst ihr „Chipa! Chipa!“ und die Leute greifen nach ihrem Geld. Hier gab es also auch die Chipa für so ziemlich den gleichen Preis. Mit großem Geschick entnimmt sie die entsprechende Größe aus dem Korb, gibt eine kleine Plastiktüte mit und kassiert – alles mit einer Hand. Die andere hält den Korb. Ich werde an mein Chipa im Rucksack erinnert und nehme mir vor, daran später weiter zu knabbern. Das andere Mädchen drängt sich hinter ihr durch die stehenden Fahrgäste. Sie reicht Saft oder Terere, ich kann’s nicht erkennen. Sehe nur an der Bewegung, dass sie Flüssigkeit aus einem Behälter in Becher gießt. Beim nächsten Halt steigen die beiden aus und ihr Schicksal verliert sich für mich aus dem Blickfeld. Aber nicht aus den Gedanken. Wie ist das wohl? Ist das ihr Job? Geht das den ganzen Tag Haltestelle rauf, Haltestelle runter?
Das Kind vor mir fängt an, mit mir zu spielen. Das leicht schwitzige Haar des kleinen Mädchen taucht über dem Sitz auf, dann die schwarzen Äuglein. Diese funkeln, wollen eine Reaktion. Ich tauche in meinen Sitz. Die Kleine quietscht vergnügt. Ich tauche wieder auf, sie sucht mich schon. Wir lachen. Das geht ne Weile so, dann ist wieder gut.
Wir nähern uns nämlich Villarica, nachdem wir schon eine ganze Ladung Gäste zuvor in Coronel Oviedo losgeworden waren. Die Sonne glitzert lustig durch die Bäume, die die Ruta säumen. In frischem Grün stehen die Blätter, der Tag wirkt jung, obwohl es schon gegen Abend ist. Oder ist es schon die Abendsonne, die hier so strahlt? Villarica empfängt uns mit einer ruhigeren Atmosphäre als Asuncion uns geboten hat. Alles wirkt hier gedämpfter, zurückhaltender. Am Busterminal angekommen, suchen wir zu Fuß den Weg zum Hotel. Ybytyruzu – der Name des Hotels, benannt nach einem Gebirge in der Nähe. Vom Hotelzimmer aus ist es zu sehen. Aber zuerst müssen wir uns etwas ausruhen . . . dann beginnt ein neues Abenteuer: Villarica!

Asuncion: dia dos

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El baño:

Ach war das schön – laaaange geschlafen in dem viel zu schmalen Bett. Aufgewacht nach deutscher Zeit! Kerzengerade im Bett, Handkante an die Schläfe! Blick zur Uhr – 4:00? Au weia, das ist definitiv zu früh. Nochmal umdrehen . . .
Zur „vernünftigen“ Zeit zweiter Versuch. Passt! Da das Hotel großzügig auf Handtücher verzichtet hat, muss mein Notfall-Handtuch mit. Runter unter die Dusche. Selbige ist so konstruiert, dass es eigentlich gleichgültig ist, wo im Bad man steht. Man wird überall gleich nass. Das Bad steht unter Wasser. Ein kleines Rinnsal verabschiedet sich Richtung Hotelzimmer. Soll ich Günther warnen?
Jetzt, wo ich nicht mehr so klebrig bin, regt sich der Magen. Was wird es wohl zum Frühstück geben? Paraguay ist kein Frühstücksland und so dürfen wir gespannt sein.
Wir dürfen auf die Terrasse. Drei große Kannen stehen bereit: Kaffee, Milch und Saft (Jugo). Daneben eine Tüte mit Toastbrotscheiben ohne Toaster. Ein paar Kekse, Butter, Marmelade unbekannter Herkunft und Obst – Apfel, Banane, Honigmelone und Orangen. Die Orangen haben es mir angetan. Sehen aus, als könnte man die nicht essen, grüngelbkränklich. Nach dem notwendigen Kaffeeschub schäle ich mir eine. Geht sehr schwer ab die Schale. Aber mmmhmmm, schmeckt sehr lecker.

Mercado gigantico:

Nach dem wir so gestärkt sind, marschieren wir los auf der Suche nach dem nächsten Bus. Haltestelle? Welche Linie wo hin? Keine Ahnung, da muss man sich durchfragen. Je mehr Leute man fragt, desto größer die Verwirrung. Letztendlich entscheiden wir nach Mehrheit und stellen uns an die Straße – dahin, wo schon ein paar stehen. Da kommt schon unsere Linea 27. Finger rausstrecken, Bus hält, einsteigen, 2000 Guaraní an den Fahrer – der schon wieder fährt, uns mit aller Wucht in den Rückraum buxieren will – und dann einen Sitzplatz suchen. Ratternd und knatternd werden wir durchgeschüttelt, bis es nur noch hupend im Schritttempo weitergeht. Draußen nehmen die Menschenmassen massiv zu und die Straße wird gesäumt von kleinen Hütten, Gestellen, Blechverschlägen. Das heißt, wir sind am Ziel. Willkommen auf dem Mercado 4! Wir steigen aus und flüchten von der Straße. Autos drängen sehr nahe ran an die kleinen Stände. Gehweg gibt es hier und da ein Stück. Geh mal nicht davon aus, dass dich einer davon retten wird.
Wir biegen in eine enge Gasse ein. Stände über Stände. Verkäufer(innen) sitzen Terere trinkend vor der Ware, meist ins Handy vertieft. Hier geht man freundlich miteinander um, wird aber nicht genervt. Freundlich darf man auch nach anderen Dingen fragen – wo es zB dies oder das gibt – und bekommt Auskunft. So irren wir durch dieses scheinbar endlose Labyrinth aus kleinen engen Gässchen. Zwischen endlos Schmuck, Waschmittel, Brillen, Elektroteilen, Handyhüllen, T-Shirts usw. Bis wir in eine größere Halle in diesem Meer von Ständen kommen. Hier ändert sich das Angebot, der Geruch, die Menschen, alles. Fleisch, Gemüse, Obst türmen sich neben Nudeln, Maismehl und Queso da Paraguay. Kistenweise kommt neue Ware an und wird aus der Folie geschält. Eine Frau schrubbt Maiskörner vom Kolben, ein Mann tritt an mich heran mit toten Hühner in einer Plastiktüte. Die gelben Beine recken sich leblos gen Himmel, der durch das dunkle Blechdach der Halle markiert wird.
Nach der Halle gelangen wir in eine edlere Zone mit Schaufenstern. Und Wachpersonal. Bis wir in ein regelrechtes Kaufhaus gelangen. Dort bietet mir ein Herr mit einem Stapel blauer Jeanstaschen vor sich eine dieser Tasche an. Ich lehne dankend ab, und verweise auf meine eigene. Er zeigt mir immer wieder, wie toll man meine in seine legen könnte. Wozu soll das gut sein? Ich geb das Gestikulieren auf und wir trotten davon. Da läuft er uns hinterher . . . es stellt sich heraus, dass wir in das Kaufhaus nicht mit unseren Taschen dürfen. Wir müssen sie in diese Tasche stecken oder gehen. Und freundlich bestimmt zeigt er uns den Ausgang – Salida.

Casa, Plaza, Museo

Irgendwann haben wir genug von der ewigen Dunkelheit und verlassen den Markt in Richtung Straße. Nach einigen Orientierungsproblemen verschärfen wir unsere Suche nach Handtücher (zu teuer), Hüte (zu eitel) und Sehenswürdigkeiten (Volltreffer). Wir besichtigen das Casa de la Independencia, in dem Paraguay als erstes Land Südamerikas seine Unabhängigkeit erklärte. Den Plaza Uruguaya – einen geräumigen quadratischen Park voller hoher Palmen und Menschen, die natürlich Terere geniessen. Ein Junge bekommt einen frisch angesetzten in die Hand gedrückt und läuft damit zu einem Herrn auf der Parkbank und reicht es ihm. Dann versucht er dessen Schuhe zu putzen. Der Mann lehnt dankend ab, lacht. Zieht an dem Pfeifchen. Wir laufen weiter, beobachten die Menschen und die hohen Palmen. Auf denen wachsen jeweils auch andere Pflanzen – Orchideen zum Beispiel. Beeindruckend!
Direkt im Anschluss an den Park finden wir das Museo Histórico Ferroviario – das historische Eisenbahnmuseum. Günther erklärt mir, dass Paraguay einmal eine Eisenbahn hatte. Diese wurde aber verkauft. Geblieben ist das Museum, gekommen sind Heerscharen von stinkenden Bussen.
Beinahe vergessen hätte ich das deutsche Restaurant – Munich. Sprich: Munitsch. Ein schöner Innenhof, eine Oase der Ruhe im hektischen Getriebe der Stadt. Und ich trinke ein Weizen, esse einen Salat, wir wollen ja heute Abend ins Restaurant Westfalia – hm, auch das klingt deutsch. Mit dem Besitzer aus Göppingen quatschen wir ne Weile nett.

Tormenta

Die Hitze wird schwül, drückend und brennt auf der Haut. Wir laufen zurück zum Hotel, ruhen uns aus. Später wollen wir nochmal los, wenn sich die Sonne wieder eingekriegt hat. Gegen 16:30 sind wir wieder am Start, da macht uns ein vertrautes Geräusch stutzig. Regen? Viel Regen!
Wir gehen auf die Terrasse, wo wir hautnah beobachten, wie es gerade irrsinnig schüttet. Ruckzuck verwandelt sich die Straße in einen Fluß, das Wasser strömt an der Wand runter auf die Terrasse. Während ich hier schreibe, bringe ich meine Füße in Sicherheit auf den Tischbeinen. Ein Angestellter vom Hotel schiebt das Wasser in den neu entstandenen Fluss, das inzwischen auch vom Treppenhaus nachläuft. jetzt aber wird es fast still . . . Der Regen ist vorüber. Plitsch platsch fällt hier und da ein Tropfen in den See unter meinen Füßen. Autos bahnen sich rauschend den Weg durch die Straße, die inzwischen nur noch sehr nass ist. Die Lichter gehen an. Ich starre raus auf das abfließende Wasser, beobachte das Spiel der Tropfen in den Pfützen, die lustigen Wellen der Rinnsale. Lächelnd.

Asuncion: dia uno

Der Flug durch die Nacht verlief reibungslos, unspektakulär. Über Asuncion schliesslich brach die Wolkendecke auf. Das kündigt mehr als nur einen neuen Tag an. Tatsächlich waren auch die Koffer von Frankfurt hier angekommen und so kamen wir zügig zur Passkontrolle. Der freundliche Beamte rammte seinen Stempel gekonnt auf den Personalausweis und raus waren wir.
Draußen war es sehr warm und feucht; es wehte angenehm ein leichtes Lüftchen.
Wir liefen zur nächsten Busstation außerhalb des Geländes und fuhren mit Linie 30 (Linia 30) bis zur c/Oliva, die Straße, in der unser Hotel liegt. War die Fahrt schon abenteuerlich – für 2000 Guaraní (ca 40ct) dennoch mehr eine günstige Achterbahnfahrt – war der Fußweg zum Hotel ein Erlebnis. Aber der Reihe nach:
Der bunt bemalte Bus kam über einen riesigen Kreisel auf uns zu. Der Busfahrer stämmig, freundlich, die Passagiere neugierig und hilfsbereit. Einer wollte sogar für Günther aufstehen. Gut, hätte ich auch gemacht…

Aber wir blieben tapfer stehen, was den Fahrspaß deutlich erhöht und eigentlich auch den Preis nach oben treiben sollte. Er raste grundsätzlich mit Hochgeschwindigkeit auf die nächste rote Ampel und zum nächsten Stau. Bei Schlaglöcher konnte er gar nicht widerstehen . . . Nochmal Gas geben und dann ins Loch reinbremsen. Wir taumelten und rammten mit Koffer und Rucksack die geduldigen Gäste. Einer von denen hatte übrigens ein bauchiges Gefäß mit einem Metallröhrchen in der Hand. Da sog er gelegentlich unbeeindruckt dran. Neben sich ein Wasserbehälter, gut 1 Liter. Das machte mich neugierig und ich schaute mich um. Der Busfahrer hatte auch so ein Ding, allerdings an der Fahrertür befestigt, aus Horn und sein Kanister war viel größer. Später in der Stadt, begegneten uns viele Leute, die diese Kombination spazieren trugen wie die Pariser ihr Baguette. Mehr und mehr fielen mir Shops auf, die zig von diesen Kanistern feilboten in allen möglichen Aisführungen.
Wir waren aber noch mit der Fahrt zum Hotel beschäftigt. Langsam schmerzten mir die Arme vom festkrallen an der Haltestange und abfangen an den Sitzen. Endlich – ENDLICH – wurden Sitzplätze frei. Es wurde doch deutlich angenehmer. Mehr und mehr Gäste stiegen aus und es wurde geräumig.
Ach übrigens Ausstieg – das läuft so: man schlappt vor zum Busfahrer und äußert – so meine Vermutung – seinen Ausstiegswunsch. Der öffnet daraufhin schon mal vorsorglich die Türe. Der Ausstiegswillige unterstreicht seinen Wunsch, indem er sich schon mal auf die unterste Stufe an der Türe stellt. So muss der Bus quasi fast nicht stehenbleiben und hat den Gast doch los. Clever!
Der Busfahrer nahm auf uns „Gringos“ Rücksicht. Wir wurden von ihm erinnert, wenn die c/Oliva erreicht war und liess uns dann raus. Entschlossen wuchteten wir die Koffer – Trollis mit niedlichen Rädchen – auf die . . . hm, nennen wir es mal großzügig Straße. Die halbgeöffneten Fenster des Busses täuschten darüber hinweg, dass es im Laufe des Vormittag deutlich wärmer geworden war. Teilweise richtig dämpfig bei 30 Grad. Und dann die Gehwege: allesamt mehr oder wenig in Bearbeitung oder schlicht bei der Fertigstellung vergessen. Die Straße zieht sich noch 3 Blöcke weiter und ist mit Fallen gespickt. Schwer, sich hier die Ruinen rechts und links anzuschauen. Oder gar auf die wenigen intakten Häuschen zu konzentrieren.
Das eine oder andere zog aber doch meine Aufmerksamkeit auf sich. Zuletzt ein Hof wie ein Motel aus amerikanischen Filmen. Im Zentrum dann eine Art Bistro mit Getränken und Essbarem. Schön in rot-weiß frisch bemalt. Kurz danach dann unser Hotel – auffällig und von einigen Metern schon klar erkennbar. Gut gepflegt, frisch gewischter Boden, Terasse mit Stühlen und Tischen. Der Innenraum angenehm – ist wahrscheinlich die Lobby. Es ist ein sehr kleines Hotel. An der Rezeption ein Junge von vielleicht 17, der alles freundlich abwickelte. Aber uns das Zimmer noch nicht gab – wir waren wesentlich zu früh dran. Verständlich – und so liessen wir das Gepäck zurück und zogen wie gierige Raubtiere auf Futtersuche los. Zogen durch die lärmenden Straßen, sprangen zwischen klar auf ihr Ziel fixierten Fahrern in ihren metallenen Gefährten hindurch. Immer wieder mal blieb ich stehen und musste einfach fotografieren: das unfassbare Kabelgewirr, bei dem Kabel auch kreuz und quer über Kreuzungen gespannt oder auf ein vorhandenes draufgelegt werden. Gigantische Hochhäuser im deutlichen Verfall begriffen, kleine Shops, die nicht mehr sind, Straßenhändler, die RayBan-Brillen anpreisen – in einer unfassbaren Anzahl. Und die vielen indianischen Frauen, auf dem Boden kauernd, die Schmuck anpreisen, während sie schon am nächsten Kettchen arbeiten. Die Menschen sowieso ein spannendes Gemisch: eben die genannten Händler, vor den Läden sitzende Ladenbesitzer, kaum Touristen und viele, die offensichtlich hier in Büros und Banken arbeiten und auf dem Weg in ein Restaurant sind.

Das sind wir auch. Und verschwinden schliesslich total ausgehungert in ein Restaurant, dass sich später auch mit eben diesen Angestellten füllt. Aber egal, wir haben unser Schnitzel und Kartoffelbrei. Und Bier – viel Bier, einheimisches Bier. Serviert in einem Blecheimer voll Eis. Genussvoll lass ich es in das Glas fliessen, spüre das kalte Glas an den Lippen und mit einem seufzen und geschlossenen Augen ergießt sich das wohlige Kühl in meinen Rachen. Augenblicklich weiß ich, wir sind angekommen.

Hinfluch

Eigentlich verlief der Start sehr gut. Perfekt geschlafen – vermutlich weil ich am Vorabend mich intensiv um die offene Weinflasche gekümmert hatte.
Dann am späten Vormittag zu Günther, gemeinsam zu Mittag gegessen und gedöst, bis endlich die Bahn uns Richtung Flughafen bringen würde. Da denkt man sich bei Hinfluch doch gleich: mit der Bahn hätten wir schon einen Tatverdächtigen. Aber weit gefehlt. Auch wenn nicht alles hundertprozentig war, die beiden Umstiege verliefen reibungslos, wir hatten bequeme Plätze und wurden dann sogar noch in Mannheim besucht – von der weltbesten Schwägerin!
Bis zum Flughafen – oder soll ich sagen Fluchhafen? – also alles gut und entspannt. Dann aber wurden wir daran erinnert, dass ja schon der Online CheckIn nicht funktionierte. Das komplifizierte CheckIn-Terminal ganz im letzten Winkel des Gebäudes spuckte irgendwann unsere Tickets aus. Mit etwas technischem Geschick schafft man das. Allerdings nur der Weiterflug von Sao Paulo nach Asuncion. Wie dahin kommen?

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Egal, gibt es wohl später. Also Koffer abliefern. Keine Warteschlange – yay, wir waren eben früh dran. Hier ging es ratzfatz zum Scannen von Handgepäck und meines Mageninhalts. Hinter dem Personenscan dann wieder dieses Dejavu – warten. Auf dem Band kommen keine Kästen mit Jacken, Tablets, Rucksäcke mehr an. Mir schwant was, schaue vor zum Scanner und da – mein Rucksack. Wird nochmal gescannt, dann nochmal. Ok, der ist schön, aber so arg? Oder hat man es auf mein Hanuta abgesehen?
Endlich kommt einer mit dem Rucksack, aber er läuft an einen anderen Tisch. Dann schaut er fragend in die Runde… wer zuckt zusammen? Ich natürlich. Er zitiert mich zu sich. „Wir müssen uns gemeinsam den Inhalt anschauen!“ – „Warum?“ – „Wir können den nicht scannen, zu viele schwarze Flecken“ Seufz. Also zieht er sich die blauen Gummihandschuhe an und los geht’s: Stativ, Tasche mit Kleinteilen, Kamera . . . wühl wühl. „Wir haben beim Scan 2 Schlösser gesehen. Kann da sein?“ „Ah, da sind die. Die habe ich vorhin beim Aufgeben des Koffers schon gesucht.“ Schlösser raus, weiter. „Was ist das?“ – „Ein Solarpanel“ – „Und das?“ „Tasche mit Akkus und Kabel“. Irgendwann war er zufrieden und meine tolle Sortierung – Mandarinen und Hanuta ganz oben – im Eimer. Thank you, Officer!
Aber da wir wie erwähnt früh dran waren, gingen wir also entspannt zum Gate. B48. Öhm, früh dran? Alle waren schon da – wir waren quasi die letzten. Hiiiilfeeee. Ok, cool bleiben. Da ist ein Schalter, an dem kaum jemand steht. Hin zu dem Mann. „Wir würden gerne nebeneinander sitzen“ – „Bitte warten Sie bis 19:00 Uhr. Sie werden aufgerufen“ – „Und bekommen dann Plätze nebeneinander?“ – „Das ist sehr kompliziert. Wenden sie sich bitte an meinen Kollegen am Schalter da drüben“. Gut, da stehen nur 3 Leute davor – wir stellen uns dazu. Warten, warten. Warten! Dann endlich . . . Was? „Die Plätze kann ich nicht zuweisen. Das macht mein Kollege da drüben“ Wir folgen der Richtung des Fingers. . . „Der da ganz am Ende?“ „Ja, dort bekommen sie ihre Plätze“ – „Aber er schickt uns doch gerade zu ihnen“ – „Ich kann ihnen leider nicht helfen. Es tut mir leid.“ . . . Ja, uns auch. @#***

Wieder zurück. Anstehen. Einer kommt und platziert die Schlange im flachen Winkel. Warten. Warten. Gähn. Die Füße schmerzen. Warten. Endlich . . . eine bebrillte offensichtlich brasilianische Dame bedient uns. „Alle Plätze am Gang sind belegt“. Dann starrt sie in den Bildschirm, tippt, starrt, tippt, starrt. Sind wir noch da? Durchsichtig? Sie starrt weiter. Und tippt natürlich. Druckt Bordkarten aus und tippt weiter, und starrt natürlich. Klar! Endlich sagt sie, während sie starrt: „Keine Sorge, ihre Plätze habe ich. Habe nur ein Problem mit dem System.“ Ja, das ist uns ja bekannt. Wir lächeln weiter, evtl klappt’s so ja. Nach einer gefühlten Ewigkeit – die Füße existieren für meinen Kopf nicht mehr, er hat die Nerven dort unten einfach deaktiviert – bekommen wir schliesslich die Bordkarten, die alten werden konfisziert. Und hey, Plätze nebeneinander, Plätze außen. Was will man mehr!

Nun hat das ganze so lange gedauert, wir marschieren fast direkt ins Flugzeug. Wobei wir erst noch 15 min in einer Schlange stehen. Dann fast schlagartig saugt uns der Flieger ein und wir landen in einem gemütlichen Bereich. Menschen lümmeln sich in den Sitzen, widmen sich Zeitung, Notebook, Tablet oder sich selbst. Geräumig hier – erste Klasse hier! Wir werden dahinter buxiert. Plätze in einer Sardinendose. Uff, so eng saß ich in noch keinem Flieger. Wenn ich aber die Arme ganz an den Körper drücke, gelingt es mir, ein bisschen zu tippen. Die Finger werden langsam gefühllos, taub. Ew riwd remmi schrewre dua Tstn ztrffon… Päusle!